*ANGST

Spread the love

Please follow and like us:

  • follow subscribe - *ANGST160
  • Share

 

Sie kriecht langsam, aber unaufhörlich; sie kommt wie ein Überfallkommando; sie bleibt, solange sie mag und eins ist sicher: sie kommt immer und immer wieder! Die ANGST!

Ich überlege während meines Krankheitsverlaufes, der gegen andere Verläufe vergleichsweise „harmlos“ ist (und ich ja auch keine häufige Schubfrequenz habe), was mich außer meiner wirklich ätzenden FATIGUE an meiner MS so sehr aufreibt und komme immer wieder zu dem Schluss: es ist die Angst! Angst vor neuen Schüben, Angst vor schleichender Verschlechterung (die bei mir schon eingesetzt hat; die sogenannte „progrediente MS“), Angst vor Kontrollverlust, Angst vor Hilflosigkeit, Angst vor Hilfsbedürftigkeit und noch so Vieles mehr. Angst, so kann man es zusammen fassen, nicht mehr das ohnehin schon stark abgespeckte Leben leben zu können, das ich gerade führe.

Laut „Wikipedia“ bedeutet Angst: „Angst ist ein Grundgefühl, welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Auslöser können dabei erwartete Bedrohungen etwa der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein.“

Oder sie wird als ein „beengender und bedrängender“ Zustand beschrieben.

Angst ist der Oberbegriff  für eine Vielzahl von Gefühlsregungen, deren Gemeinsamkeit auf einer Verunsicherung des Gefühlslebens beruht. Der Psychoanalytiker Fritz Riemann unterscheidet  verbundene „Grundängste“ des Menschen und beschreibt sie u.A. als die  „Angst vor Veränderung“, die „Angst vor der Endgültigkeit“.

Und somit hätten wir das Phänomen meiner Ängste auch geklärt. Meine Gefühlsregungen  und die daraus resultierenden Ängste vor Veränderung meines Lebens- u. Gesundheits-Zustandes und vor allem vor der Endgültigkeit jener Veränderung.
Wie oft bekomme ich gesagt: „ach, mach Dir doch keine Gedanken, ich kann auch morgen von einem Auto überfahren werden!“ Einmal abgesehen davon, wie unfeinfühlig mein Gegenüber in diesem Moment mit meinen ausgesprochenen Ängsten umgeht und wie wenig er sie respektiert: ja, das kann Jedem passieren, MIR auch. Aber mir noch zusätzlich! Zusätzlich zur MS und der daraus resultierenden ohnehin schon eingeschränkten Lebensweise. Aber vermutlich ist statistisch gesehen die Gefahr, dass ich durch mein nicht mehr stabiles Gehvermögen noch eher von einem Auto erfasst werde, noch höher -  nur mal so nebenbei bemerkt …

Der Verlust von Gesundheit ist in unserer Gesellschaft ein ernst zu nehmendes Handicap, weil man einfach nicht mehr so leistungsfähig ist, wie ein vergleichbar Gesunder. Das kann Abhandenkommen von Jobs bedeuten, Verlust von Verantwortung uvm.! Damit haben alle Behinderten zu kämpfen, zumindest viele. Aber an einer Krankheit wie MS zu leiden, die zwar nicht tödlich verläuft, aber doch zur Zeit noch UNHEILBAR ist und sich stündlich verschlechtern kann, eine Krankheit, bei der man nicht weiß, ob man am kommenden Morgen noch im gleichen körperlichen Zustand aufwacht, in dem man eingeschlafen ist; eine Krankheit, bei der man am Morgen nicht weiß, ob man bis abends noch diesen Zustand halten konnte… Solch eine Krankheit zehrt an den Nerven (im wahrsten Sinn des Wortes) und das macht ANGST: schlicht und ergreifend Angst.

In meinem Fall ist es so, dass ich die Angst gut im Griff habe und sie keine Priorität einnimmt. Das ist sicher Teil meiner Lebenshaltung, aber auch Glück, dass ich einfach ein  unverbesserlicher Optimist bin. Aber es gibt Tage, da überfällt sie mich scheinbar „grundlos“, ohne konkreten Auslöser.

Oder es gibt Tage wie heute, da ich seit gestern Abend einen solch heftigen Schwindel habe und mich innerhalb einer Stunde mein Kreislauf 2 x verlassen hat und ich mich auf dem Boden liegend wieder fand, dass die Angst konkret ist und wird. Sie kriecht durch meinen Körper, sucht sich den besten Platz zum Einnisten aus, ist wählerisch und sucht weiter und quält mich dabei so unendlich.

Da ich auch ein Verstandesmensch bin, habe ich sämtliche neurologischen Diagnostik-Übungen gemacht („Finger auf die Nase, Finger beider Hände zusammenführen“ usw.). Dies scheint ok zu sein, aber bei meinem letzten Schub schien es dies auch… Meldet sich also ein neuer Schub an, oder habe ich einfach „nur“ schwere Kreislaufprobleme? Was hat all das mit der MS zu tun und und und….? Ganz plötzlich stecke ich wieder mitten drin in der Angst.

Ich habe gelernt abzuwarten, keine Panik zu bekommen – mir Ruhe zu gönnen und mich in Geduld zu üben. Ich nehme meine Angst an, ich kann sie verstandesmäßig „begründen“, ich kann mich auch kurzfristig mal in meiner Angst verkriechen und male mir dann all die Horror-Szenarien aus: „morgen sitze ich im Rollstuhl, kann nicht mehr sehen und meinen Körper nicht mehr aufrecht halten, noch dazu eine heftige Inkontinenz, das Sprechen wird nicht mehr funktionieren“ usw.!

Das nenne ich dann „meine Konfrontation mit der Angst“: Ich schaue ihr ins Gesicht, ganz direkt, stelle mich ihr und dann kommt der nächste Schritt: ich überwinde sie. Ich rufe mich „zur Vernunft“, versuche, wieder die Kontrolle über mich zu gelangen und mache das, was mich meine MS gelehrt hat: mich in Geduld üben, abwarten, bis „es“ hoffentlich vorbei ist.

Wenn ein konkretes Symptom, wie der Schwindel, Auslöser meiner Angst ist, kann das Abwarten dauern…. Nämlich so lange, bis ich mir sicher sein kann, dass es „nur“ eines der vielen MS-Symptome war, aber kein Schub. Wenn es weniger konkret ist, dann kann ich die Angst schneller überwinden, zumal ich mich dann auch ablenken KANN, in der Lage dazu bin, mich abzulenken….
Ja, so ist das mit der Angst und ich kenne Krebspatienten, die natürlich mit einer noch konkreteren Angst vor der Endgültigkeit ihres Lebens leben. Keiner von uns ist zu beneiden und niemand sollte so etwas eigentlich erleben müssen. Es ist „Menschen-unwürdig“ und kann zerstörend sein. Ich bewundere Jeden, der immer wieder, wie Phönix aus der Asche „aufsteht“ … gebeutelt, mitgenommen, geprägt und doch voller Mut … Diese Leistung, die viele Kranken jeden Tag, jede Minute vollbringen, ist manchmal fast übermenschlich…. Aber wir schaffen es, denn wir sind die MS-KRIEGER! ©Heike Führ/ www.multiple-arts.com

Please follow and like us:

  • follow subscribe - *ANGST160
  • Share

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>