*Der äußere Schein …. trügt!

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MS und Authenzität …

Da nimmt die lustige Frage: “Wer bin ich, wo bin ich, wie viele bin ich und warum?” schon fast einen ernsthaften Charakter an.

Party,: Teilnehmende sind Freunde, die wissen, dass sie MS hat und Fremde, die logischer Weise keine Ahnung haben, dass die so oft lachende Frau, die noch dazu wie das “blühende Leben” aussieht, an einer unheilbaren Krankheit erkrankt ist.

*Von außen betrachtet sieht sie also erst einmal unversehrt aus. Vielleicht. Denn vielleicht wundert sich der ein oder andere Partygast, warum diese fröhliche Frau nicht die Treppen hinauf hüpft, fröhlich trällernd Richtung Toilette, sondern aus dem Lachen plötzlich eine verbissene Mimik wird. Warum braucht sie so lange und zieht sich mühevoll hinauf? Und wenn sie zurück kommt, hält sie sich krampfhaft am Treppengeländer fest und setzt wie ein Kleinkind einen Fuß vor den anderen. Unten angekommen, geht sie völlig `normal` Richtung Sitzplatz. Ok, sie wackelt etwas. Ob sie doch schon etwas zu viel über den Durst getrunken hat???

*Der Partygast vergisst diese Frau wieder, bis er sie an der Bar wieder trifft, wo sie sich krampfhaft am Tresen festhält. Doch betrunken? Naja, es sind halt merkwürdige Menschen auf der Party….

*Kaum wieder an ihrem Platz angekommen, lacht und scherzt sie. Ab und zu hat es den Anschein, dass sie …. Ja, was…? Etwas plagt? Hat sie Schmerzen? Nein, sie lacht ja..!

 

Innen drin, in dieser Frau, spielen sich Dramen ab, gepaart mit wilder Freude.

Freude, an solch einem Fest teilnehmen zu können, es die Treppe hinauf GESCHAFFT ZU HABEN, das Glas Sekt von der Bar zum Sitzplatz unversehrt transportiert zu haben.

Freude über die schöne Stimmung, Freude über einen momentanen fitten Zustand.

Freude, dabei zu sein. Freude, am Leben zu sein. Freude, mobil zu sein. Freude, gerade keine Fatigue zu haben.

Dramen, weil es anstrengend ist, diesen Schein zu wahren und sich somit auch die Frage stellt, warum sie ihn wahrt. Muss sie es? Ist es ihr zur Gewohnheit geworden?

Unsinnige Gedanken, sagt sich die Frau: jetzt bin ich hier, jetzt feiere ich.

Aber, sagt sich die Frau, es ist schwer für sie. Es ist schwer, die Feier ungetrübt zu genießen, denn jede Bewegung, jedes Gespräch erfordert sehr viel Aufmerksamkeit und somit viel Kraft – und diese gilt es einzuteilen, das weiß sie aus Erfahrung. Der Gang zum Buffet wird ein Balanceakt in jeglicher Beziehung und doch möchte sie es alleine schaffen.

Sie sieht den Tänzern auf der Tanzfläche zu und es spielen sich weitere Dramen ab: hat sie doch ihr Leben lang so gerne getanzt und ausgelassen gefeiert. Sie war nicht klein zu kriegen und hat selten einen Tanz ausgelassen…

Also, so sagt sie sich: wage es!

Mutig lässt sie sich auf die Tanzfläche entführen, wagt es und wie von selbst erinnern sich ihre Beine an das alte Spiel. Sie genießt dieses alte Gefühl und lässt sich treiben, strahlt mit Anderen um die Wette und fühlt sich frei. Frei von Last und Bedrückendem.

*Sie sieht aus, wie eine Frau, die Spaß am Tanzen hat.

Sie fühlt sich für wenige Minuten so, wie sie nach außen hin aussieht, bis sie spürt, dass ihre Beine nachgeben, bis sie spürt, dass ihre Beine und Arme taub werden. Dramen … Die Frau hat nur noch eines im Kopf: wie komme ich ohne Aufsehen zu meinem Platz und schaffe ich es überhaupt???

*Die Frau schafft es.

Sie lässt sich auf ihren Stuhl fallen …

…und in ihrem Kopf spielen sich ganze Theaterstücke ab.

Dramen und Komödien.

Komödien, da sie dankbar ist, einen halben Tanz geschafft zu haben. Freude, Freiheit und Loslassen ….

Dramen, da gerade wieder einmal eine ganz kleine Welt in ihr zusammengebrochen ist. Die Welt der Hoffnung auf etwas Normalität, die Welt des Verdrängens, dass die MS doch heute nicht mit dabei ist.

Realität: die MS schläft nie. Sie ist IMMER dabei. Manchmal ist sie gnädig und lässt ihrem Körper den Schein des Friedens.

*Die Frau sieht etwas müde aus, aber so sehen viele Partygäste aus, oder? Die Frau wirkt nicht mehr ausgelassen, aber sie lacht noch immer viel. Die Frau wirkt fröhlich.

Die Frau weiß, dass sie nun nach Hause gehen muss. Sie darf es nicht übetreiben, denn ihre MS rächt sich immer. Die Frau weiß auch, dass dieser Abend Folgen haben wird und sie mindestens 2-3 Tage extrem erschöpft und ausgelaugt sein wird. Sie weiß es und doch hat sie gefeiert.

*Die Frau geht etwas früher – ob doch alles ok bei ihr ist? Aber sie lacht. Bestimmt ist alles in Ordnung.

Die Frau weiß, dass sie ganz viel geschafft hat an diesem Abend, dass sie lebendig war und erschöpft. Drama und Komödie. LEBEN.

Hallo MS, hallo Leben, hallo Realität und hallo Seifenblasen. Hallo Party, hallo Freiheit und hallo Gefangenschaft. © Heike Führ/multiple-arts.com

 

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2 Gedanken zu „*Der äußere Schein …. trügt!

  1. Anja

    <3 die Frau hat es geschafft Süße, und Sie kann sehr stolz auf sich sein.
    Sie wollte es schaffen, weil sie wiedermal dazu gehören wollte, und es hat geklappt. Zwar nur für ein paar Stunden, aber diese Stunden waren es wert :-*
    Einmal wieder das alte Leben spüren. Auch wenn es leider nicht mehr tgl möglich ist, so ist es doch für unsereins etwas ganz ganz besonbderes <3
    Ich bin stolz auf Dich :-* HDGDL

    Antworten
    1. multiplearts Beitragsautor

      Danke liebste Anja,
      ja, so ist es… Die Frau hat es geschafft, sie war dabei und hat alles soweit genossen – das zählt 🙂
      Knuddel Dich <3 Hdal

      Antworten

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