Neue Seite: “Pädagogisch Wissenswertes”: Warum „Fremdeln“ so wichtig ist

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Da ich ausgebildete Erzieherin bin und viele sehr fundierte pädagogische und psychologische Fort- und Weiterbildungen absolviert habe, ist mein “Steckenpferd” die pädagogische Psychologie. Dazu möchte ich ebenfalls mit Texten und Gedanken beisteuern und auch Sachverhalte in der Kinder-Erziehung erkären.

Ich habe selbst 2 Kinder und nun noch ein Enkelchen und erlebe nun viele Phasen bewusster.

Mein erstes Thema hierzu wird sein: FREMDELN

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Fotos alle: pixabay.com

Warum „Fremdeln“ so wichtig ist

Irgendwann stehen Eltern vor der Frage, warum das immer lächelnde Baby plötzlich keine freundliche Miene mehr macht oder gar weint, wenn es von anderen Personen angesprochen wird. Selbst Großeltern können es auslösen: das FREMDELN.

Aber keine Panik. Fremdeln ist gut, Fremdeln ist ein wichtiger Entwicklungsschritt und sehr wichtig im Entwicklungsprozess.

Ein Kind muss fremdeln, um sich als eigene Persönlichkeit wahrnehmen und abgrenzen zu können. Nur so kann es im Laufe der Entwicklung lernen, zwischen sich und der Umwelt zu unterscheiden.

Auch wenn sich manche Eltern beunruhigt zeigen, wenn ihr Kind fremdelt und sie befürchten, es könnte sich zu einem sehr ängstlichen und schüchternen Menschen entwickeln, sei gesagt, dass dazu wirklich kein Anlass besteht. Weder ist es so, dass diese Kinder in der heutigen Welt nicht klarkommen, noch dass sie schwach werden. Nein, denn wenn es die Entwicklungsphase des Fremdelns gut durchlebt hat und Sicherheit finden konnte, dann geht es sogar gestärkt daraus hervor.

Die Angst vor Fremden hat ihren Sinn.

Ebenfalls ist der ganz individuelle Grundcharakter des Babys nicht zu unterschätzen, beziehungsweise mit einzuplanen.

Eine Regel gilt immer: Das Kind hat ein Recht auf seinen persönlichen Raum.

Kinder sind nun mal, wie Erwachsene ebenso, sehr unterschiedlich. Zum Glück, denn das macht die Vielfalt der Menschen und des Lebens aus. Es wird immer Kinder geben, die sehr vorsichtig im Aufbau von Beziehungen sind und es auch bleiben. Andere Kinder dagegen sind vielleicht regelrecht distanzlos und nicht wählerisch und somit eventuell auch viel zu vertrauensselig. Dies aber kann später gefährlich werden. Eine gesunde Distanz zu Fremden ist grundsätzlich nicht verkehrt.

Deshalb gilt ganz klar: Das Kind zu zwingen, zu jemandem auf den Schoß zu gehen oder sich gar abbusserln zu lassen, das ist definitiv nicht der richtige Weg. Denn dann erreicht man nämlich genau das Gegenteil.

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Bedenken sollte man auch, dass die Natur die Entwicklungsstufen prinzipiell so sinnvoll eingerichtet hat, dass es doch alles wieder einen Sinn ergibt: denn die neu erwachten Ängste des kleinen Menschleins sorgen dafür, dass das Baby stets in der Nähe von vertrauten Menschen bleibt, als sei dies ein sicherer Hafen (was er im besten Fall ja auch ist). Von dort aus kann man Erkundigungen unternehmen, und Grenzen ausloten – mit der Gewissheit, dass man seinen Anker bei Mama/Papa/Bezugspersonen getrost auswerfen kann. Das kann die Eltern ganz schön fordern und anstrengen, aber es schützt das langsam flügge werdende Baby vor Situationen, denen es alleine (noch) nicht gewachsen wäre.

 

Woran erkennt man Fremdeln?

Das Fremdeln tritt häufig zwischen dem sechsten und achten Monat auf und ist ein völlig normaler und auch wichtiger Entwicklungsprozess.

Oft scheint es, als trete es gar über Nacht auf.

Das nun fremdelnde Baby wendet bei Begegnungen den Blick ab, kann sogar das Gesicht „verziehen“, ängstlich schauen und weinen. Es klammert sich an die vertraute Person (meist die Mama) und vergräbt seinen Kopf an ihrer Schulter. Wenn das Baby fremde Gesichter sehr ernsthaft mustert, dabei vielleicht gar die Mundwinkel verzieht oder die Stirn runzelt, sind dies auch deutliche Fremdel-Signale.

Manchmal allerdings kommt die Fremdel-Phase aber auch noch später (Bei manchen erst mit zwei oder drei Jahren). Oft heißt es auch, dass die Fremdel-Phase den Höhepunkt meistens im 2. Lebensjahr hat und ab dem 3. Lebensjahr allmählich wieder abnimmt. Das ist sehr individuell und muss immer dem Alter angepasst gehändelt werden. Während man einen knapp 3-jährigen Kind schon einiges erklären kann, wird man bei einem 8-Monate altem Kind noch ursprünglicher handeln.

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Die Körpersprache des fremdelnden Kindes zumindest ist sehr eindeutig. Es zeigt meist klar: „Ich mag Deine Nähe gerade nicht!“ Und dies gilt es absolut zu akzeptieren. Niemand, der gerade keine Nähe zulassen möchte, würde gerne abgebusserlt und gedrückt werden!!!! Denken Sie daran, wenn Sie auf fremde Menschen auf einer Veranstaltung treffen, und es würden wildfremde Leute auf sie zu kommen (zustürzen) und Sie umarmen wollen!

Nur allerengste Vertraute, wie die Eltern oder andere ständige Bezugspersonen können dann das verängstigte Kind beruhigen.

Die Mimik, Gerüche und die Art und Weise dieser vertrauten Personen sind dem Baby bekannt, sie kann es deuten. Fremde Menschen in all der Vielfalt zu verstehen: das schafft ein Baby in diesem Alter nicht – es ist verunsichert und weint: es fremdelt! Zu RECHT!

Wenn dann vielleicht noch viele fremde Personen in einem Raum sind und die Geräuschkulisse entsprechend laut ist, dann kann sich ein Fremdeln auch in eine Schreiattacke wandeln, die eigentlich nur ein Gefühl des Kindes zeigt: „Ich kann nicht mehr, mir ist das gerade zu viel. Bringe mich weg hier!“ Kinder wissen noch nicht im Geringsten, wie sie auf diese neue Erfahrung reagieren sollen und wie sie damit adäquat umgehen können.

Man darf nicht vergessen, dass Kinder in diesem Alter enorm viel zu lernen und aufzunehmen haben. Sie bekommen langsam eine Übersicht über ihre Umwelt, nehmen fremde Gerüche wahr, erkennen Unterschiede in den Gesichtern und in der Mimik. Das kann Kinder ängstigen, denn sie hatten noch keine Möglichkeit, sich selbst einen Schutzwall aufzubauen, oder gar Techniken zu entwickeln, wie man mit all diesen neuen (!) Eindrücken umgehen kann. Ein Baby lernt und zwar nicht nur täglich, sondern stündlich und gar minütlich. All diese Einrücke müssen verarbeitet werden. Dazu benötigt ein Kind Geborgenheit, die ihm Sicherheit vermittelt und Schutz. Rückzugsmöglichkeiten braucht es ebenso dringend in solchen Momenten.

Es ist ganz klar: wenn man das Fremdeln nicht ernst nimmt, nimmt man dem Kin all dies. Vor allem nimmt man ihm Vertrauen zur Bezugsperson und das kann fatale Folgen haben.

Aber wichtig für alle Eltern ist: Fremdeln ist weder die Folge mangelnder Sozial-Pflege, noch eines Erziehungsfehlers! Fremdeln ist ein ganz normaler und guter Schritt in Richtung Unabhängigkeit und Autonomie!

Diese oft plötzlich auftretenden kleinen Panik-Attacken der Kinder können einige Wochen oder Monate anhalten. Aber nicht alle Kinder fremdeln gleich stark. Manche Kinder sind nur ein bisschen zurückhaltender als sonst, andere dagegen weinen schon, wenn jemand einfach nur „Hallo“ sagt. (Dies ist dann eine Frage des Temperaments).

 

Was tun bei fremdelnden Kindern?

1.      Für das Baby:

Da gibt es nur eins als Sofortmaßnahme: Trösten und ganz viel Nähe geben, sowie möglichst den Raum verlassen!

2.      Für die Bezugspersonen:

Hier wird es nun schwieriger, denn oft werden fremdelnde Kinder und deren Mütter mit Unverständnis und gar Vorwürfen überhäuft, was die Situation noch verschärft, da nun auch die Mama unsicher wird und sich dies automatisch aufs Kind überträgt.

Besonnen zu reagieren ist deshalb gar nicht so einfach. Und doch ist es wichtig, den Besuchern oder anderen Fremden mit einer Bitte und einer Information entgegenzutreten. Man kann beispielweise darauf hinweisen, dass es das Baby NICHT persönlich meint und darum bitten etwas Abstand zu halten. Wichtig ist für diese Kinder auch, dass sie in einer neuen Situation erst einmal in Ruhe „ankommen“ dürfen. Auch darum kann man bitten.

Diese gut gemeinten Annäherungsversuche, wie beispielsweise: „Ach komm doch mal zu mir, ich beiße Dich doch nicht!“, verstärken die Angst nur. Es wäre also reine Quälerei, das Baby demjenigen auf den Arm zu geben, wenn es das nicht will. Und es ist noch mehr: man handelt gegen seinen Willen, man bricht ihn sozusagen in diesem Moment und dies ist keine gute Basis für eine vertrauensvolle Beziehung.

Zum Glück ist es oft so, wenn man Abstand in Geborgenheit (auf dem Arm der Bezugsperson) wahrt, dass die Neugier siegt und das Baby irgendwann wieder lächelt und gar Zutrauen findet.

Deshalb ist hier ein guter Ratgeber:  „Eine Prise Distanz, eine Riesenportion Nähe!“