*Rentenversicherung und Hoffen!

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Inmitten der Schwierigkeiten liegt die Möglichkeit

-Albert Einstein-

 

Es gibt sie, diese Tage, an denen man noch froh und vor allem recht fit aufsteht, sich sehr über einen guten Zustand (den Umständen abgemessenen Zustand)  freut und dann plötzlich kommt sie, die schockierende Nachricht und es schreit alles in mir drin und um mich herum: Hallo MS!

Ein kleiner Brief, unscheinbar auf umweltfreundliches Papier gedruckt, mit dem Unheil verkündenden Absender „Rentenversicherung“! Ich schaue schon seit Tagen in den Briefkasten mit einem unwohlen Gefühl von Bedrohung, Angst und Schrecken: im Mai 2012 habe ich die volle Erwerbsminderungsrente beantragt. Beantragen MÜSSEN! MÜSSEN!

Nicht wollen, nein: MÜSSEN!

Mein MS-Zustand hat sich schleichend so verschlechtert, dass ich meiner Arbeit, die teilverrentet nur noch 16 Wochenstunden umfasste, nicht mehr nachgehen konnte. Ich habe es nicht mehr geschafft, mehrfach nicht. Immer wieder habe ich es versucht und mich nach krankgeschriebenen Phasen wieder aufgerappelt. Ich möchte nicht verrentet sein; weder teilverrentet, noch vollverrentet, aber meine MS ZWINGT mich dazu und das macht mich traurig  und betroffen und hinterlässt einen bösen und bitteren Nachgeschmack. Und ich musste beweisen, dass ich nicht mehr arbeiten gehen kann. Das war schlimm, ein unangenehmer Besuch bei einem Gutachter, der scheinbar nicht „überzeugend“ war, sonst hätte die Rentenversicherung doch anders entschieden, oder? Also: Fakt ist: der befürchtete Bescheid kam an: man müsse mir leider (!) mitteilen, dass man meinem Antrag auf volle Erwerbsminderung nicht stattgeben könne (Grund: die „Aktenlage“), mein Anspruch auf teilweise Erwerbsminderung bleibe bestehen.

Ich kann kaum ausdrücken,was ich in dem Moment, als ich das las, empfand: unendliche Trauer, Wut, Verzweiflung, Erniedrigung: Fakt ist doch, dass ich nicht mehr im vollen teilverrenteten Umfang arbeiten gehen KANN: Ich würde es ja gerne schaffen, aber ich KANN es NICHT mehr. Punkt. Das ist traurig, aber es ist einfach so. Nun hat also irgend jemand entschieden, dass ich es sehr wohl leisten kann, noch bis zu 6 Stunden täglich zu arbeiten. Hat dieser Jemand nicht mitbekommen, dass es sowohl meine körperlichen Kräfte, als auch meine heftige Fatigue definitiv nicht zulassen, mehr als eine halbe Stunde konzentriert zu sein, geschweige denn körperlich den Anforderungen einer Erzieherin gewachsen zu sein? Nein, offensichtlich nicht!

Ich verstehe, dass es Prüfungen geben muss. Klar und logisch. Aber ich habe bereits so viel Prüfungen diesbezüglich hinter mir, habe so viele Kämpfe ausgefochten; warum kann es nicht einmal gut sein und ich zur Ruhe kommen?

Ich kann es mir finanziell nicht leisten, nochmals Stunden zu reduzieren, ich bin auf eine Rentenzahlung angewiesen.

Ich habe keine Kraft mehr zum Kämpfen, ich brauche meine übrig gebliebene Kraft, um meinen Alltag zu schaffen, der im Moment durch die Krankschreibung schon „reduziert“ verläuft. Ich brauche mein bisschen Energie, um das morgendliche Aufstehen, Duschen und Frühstücken zu bewältigen, ohne mich gleich wieder hinlegen zu müssen. Ich brauche meine Energie, um die alltäglichen Dinge zu regeln. Und nun? Nun brauche ich all die minimale Energie, die ich noch habe, um zu kämpfen. Ein Kampf um Gerechtigkeit und Anerkennung! Anerkennung, dass ich krank bin. Wie traurig, wie ver-rückt! In welche Abgründe muss man als chronisch Kranker und Behinderter blicken? Man muss dafür kämpfen, als solcher anerkannt zu werden. Welch Ironie, Ambivalenz; ja fast schon Zynismus.

Und wer mir jetzt mit „Hoffnung“ kommt: ich gebe sie nicht auf, die Hoffnung. Aber es gibt Momente wie diese, da fällt es mir schwer, auf eine geregelte und möglichst beschwerdefreie Zukunft zu hoffen. Zu hoffen, dass ich mit einer finanziellen Unterstützung (=Rente) ein würdevolles Leben leben kann.

Hoffen ist mein ständiger Begleiter: hoffen, dass meine MS nicht schlimmer wird; hoffen, dass ich meinen Lebensstandard halten kann; hoffen, dass ich meinen All-Tag , ja selbst EINEN Tag schaffe; hoffen, dass es meiner Familie und meinen Freunden gut geht; hoffen, dass niemand arbeitslos wird; hoffen, dass niemand ernsthaft krank wird. Hoffen und immer wieder hoffen.

Nein, ich gebe die Hoffnung nicht auf. Nun darf ich noch hoffen, dass mein Widerspruch Erfolg hat und ich nicht noch lange darum kämpfen muss, als behindert und nicht arbeitsfähig anerkannt zu werden. Hoffen, dass ich irgendwann einmal zur Ruhe komme. Hoffen. Hoffen auf ein bisschen Glück.

Eine chinesische Weisheit besagt: „Hoffnung ist wie Zucker im Tee. Auch wenn sie noch so klein ist, sie versüßt alles“. Also hoffe ich mal weiter: Tee trinken, gesüßt  -versteht sich-  und abwarten. Abwarten auf die Einsicht der Gutachter. Hoffen und warten. Ein Teil von mir und meiner MS.

Und was braucht man zum Hoffen und Warten? Geduld!

Oh jeh! Und genau das ist eine Eigenschaft, die mir fehlt. Was bitte ist Geduld? Wie viel Geduld musste ich schon aufbringen?!

Ganz ehrlich: ich habe keine Kraft mehr für Geduld, weil ich diese schon für das Warten und Hoffen aufgebraucht habe. 

Leer bin ich; „Flasche leer“, Akku leer, Energie leer, Kraft leer, aber:

Hallo MS! 

Sie fragt mich nicht, sie bestimmt im Moment mein Leben :-(

Und lieber Albert Einstein: ja, „in den Schwierigkeiten liegt die Möglichkeit“: darauf hoffe ich! Auf die Möglichkeit, dass ein Gutachter erkennt, wie schlecht es mir geht und mir die Möglichkeit gibt, zur Ruhe zu kommen, meine MS in Ruhe „pflegen“ zu können und damit vielleicht die Möglichkeit zu haben, den jetzigen MS-IST-Zustand zu halten. Ich wäre dankbar für solch eine Möglichkeit!

 

EIN GUTES NEUES JAHR MIT MÖGLICHST VIEL GESUNDHEIT WÜNSCHE ICH EUCH! :-)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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