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Herbst-Spektakel: Uhthoff, der Sommer und die Erschöpfung

Uhthoff, der Sommer und die Erschöpfung

– und das im Herbst!

Immer wieder frage ich mich, was Uhthoff da mit uns anstellt (Uhthoff = die Verschlechterung der MS-Symptome bei z.B. Hitze).

Jedes Jahr genieße ich das Frühjahr und freue mich zu dieser Zeit noch auf den Sommer – auch wenn ich meine Einschränkungen diesbezüglich kenne… Vielleicht, so denke ich, ist es dieses Jahr nicht so schlimm mit Uhthoff…. Und: ich bin den langen Herbst und Winter so leid….

Und dann schlägt Herr Uhthoff doch wieder erbarmungslos zu, wringt meinen Körper geradezu aus….

Und am Ende des Sommers: da habe ich das Gefühl, es ist ein Häufchen Elend übrig geblieben – erschöpft von der Hitze und Uhthoff – und das, wo es doch eigentlich so eine schöne Jahreszeit ist, wo man viel draußen unternehmen könnte… Könnte!

Ich habe unzählige Texte zum Uhthoff-Phänomen geschrieben und manchmal stelle ich mir bei Hitze und am Anfang des Herbstes vor, wie die eh schon angefressenen Nerven um Hilfe schreien und wie das Myelin zerfließt, sich die Nerven darin auflösen und eine klibberige Masse entstanden ist: ich! Wackelige Beine und Arme – wie Pudding: klibberig eben…. Grenzenlos erschöpft, ausgewrungen….

Wundert es da, dass ich den Herbst, den ich während der Hitzeperioden so ersehnte, kaum genießen kann, da mein Körper sich erstwieder erholen muss? Erholen von all den Symptomen und Beeinträchtigungen und von der Verwüstung, die Herr Uhthoff hinterlassen hat… Erholen von Erschöpfung und neuen Symptomen, erholen von einem (MS)-Sommer.

Und Aushalten von Schwindel, Schwäche, Kraft- und Energielosigkeit?

Mein Körper, bzw. die Nerven, Nervenleitbahnen und das Myelin bräuchten dringend eine Aufbaukur, Erholung und Hilfestellung.

Aber: sie sind damit beschäftigt, die Wetterumstellung von Sommer auf Herbst zu verkraften und bringen scheinbar das Immunsystem noch einmal durcheinander.

Halleluja!

Vielleicht hat sich mein MS-Körper dann im Winter an den Herbst gewöhnt! ;) Und kann gegen Frühjahr wieder etwas auftanken, damit der Jahreszeiten-Kreislauf seinen Sommer-Uhthoff-Gang nehmen kann…! L Der MS-Zirkel sozusagen, der uns kaum eine echte und wohltuende  Ruhephase gönnt.

Manchmal wundert mich nichts mehr bei MS, manchmal tut es nur gut, wenn man versuchen kann, sich etwas zu erklären! J
©2017 Heike Führ/multiple-arts.com

*Dabei zu sein ist alles :) – Hochzeit feiern, Fatigue und Stress

Dabei zu sein ist alles :)

Emotionen pur: Liebe, Freude und Stress

Hochzeit der eigenen Tochter – ein Ereignis, das keiner Worte bedarf, weil es so hoch emotional und wundervoll war, dass Worte fehlen… Spüren, Hineinfühlen ist nun angesagt: die emotionale nonverbale Sprache – hier finden Worte sowieso selten hin!

Wochenlange Vorbereitungen, wochenlanges Freuen und die Aufregung steigt von Tag zu Tag.

Mit MS ist all dies ein besonderes Erleben, denn ich weiß im Vorfeld, dass ich Energie-Management betreiben MUSS, um diese beiden einzigartigen Hochzeitstage (plus den Freitag mit direkten Vorbereitungen) gut überstehen zu können.

Alles ist perfekt vorbereitet – meine Pausen sind fest mit eingeplant, mein wundervolles Wunder-Mittel, das Hanf-Öl steht bereit und ich nehme es über die „Feier“.-Tage sehr hochdosiert – es wirkt und lässt mich erahnen, dass ich vielleicht das Glück habe, drei ungetrübte Tage zu erleben.

Und ich erlebe tatsächlich 3 Tage fast ohne Fatigue, ohne bodenlose Erschöpfung, sondern einfach nur „normal erschöpft“ nach einem langen Tag. Klar, meine Beine werden taub und schwammig und samstags, als es unschöne Stress-Momente gab, kamen auch Sehstörungen und andere unangenehme Symptome hinzu. Aber diese kenne ich – mit ihnen kann ich umgehen, denn ich weiß, sie signalisieren mir, dass ich Pausen brauche und dass mein MS-Hirn gerade Achterbahn fährt – was ja auch kein Wunder ist. Ich kenne diese Symptome und kann sie mitnehmen an diesem Tag – wertfrei nehme ich sie hin. Fatigue dagegen kann man nicht einfach hinnehmen, denn sie wäre zu mächtig. Deshalb ist es ein Wunder, dass ich es fast ohne Fatigue schaffe.

Ich lege mich in der Location, in der die Hochzeitsparty stattfindet, nach dem „offiziellen“ Part nebenan in den Raum, bekomme von einem lieben Freund noch Kissen gebracht und eine sehr aufmerksame Kollegin meiner Tochter deckt mich liebevoll zu, während ich liege mich nach außen verschließe, meditiere und versuche „runter zu kommen“. Ich liege unbequem auf einer (gepolsterten) Bank und versuche noch dazu, meine Frisur nicht zu ruinieren. ;)

Ich liege abseits und doch mittendrin und diese Erkenntnis war so wundervoll:

-         Ich höre die Party: die laute tolle Musik, das Gelächter, den Spaß

-         Ich spüre die Vibrationen der Beats, der Tanzenden – und genieße.

Ich genieße abseits, entfernt… und doch dabei :)

Ich entspanne, da ich dabei sein KANN, da ich das Glück habe, bei vollem Bewusstsein all diese Freude miterleben zu können. Ich bin wieder einmal sehr dankbar, dass mich die MS solch ein fest erleben lässt, dass mein Körper mir wohlgesonnen war – heute: im Hier & Jetzt.

In diesem Moment habe ich nicht für eine Sekunde meinem alten Ich, meinem fitten Körper nachgeweint – nein, ich lag abseits und mittendrin und war dankbar und unglaublich froh. Ich sah im „geistigen Auge“ mein Kind, die wunderschöne entzückende Braut… mit ihrem tollen und so liebevollen frisch angetrauten Ehemann… Ich sah meinen Sohn mit Frau und mein Enkelchen, meine Mama, die mit ihren 78 Jahren ebenfalls feiern kann… Meinen Bruder mit Familie, Freunde und Freunde meiner Kinder… All das sah ich, spürte ich und sog es in mir auf – während ich dort im Kalten lag, fröstelte und ko war.

Ich ruhte und mein Körper und mein Geist kamen ebenfalls zur Ruhe.

Ich schnappte mein Kissen und stand auf. Bewusst, voller tiefer Freude und marschierte – noch recht wackelig – zurück in den „Tanzsaal“. Und wohin marschierte ich? Direkt auf die Tanzfläche, ließ mich von meinem Mann in den Arm nehmen, tauschte Blicke der Verständigung mit meinen Lieben aus und genoss das Fest – tanzend, stehend, sitzend…. glücklich, froh, kaputt und erschöpft, ABER LEBENDIG! Halleluja! Es gibt diese kleinen großen Wunder. Ich war dabei und verließ nicht als Erste das Fest! Hallo MS; Hallo Hochzeit; Hallo Dankbarkeit und Hallo Wunder! ©2017 Heike Führ/multiple-arts.com