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*Manchmal habe ich es so satt…

Manchmal habe ich es so satt…

 

Manchmal habe ich es so satt, dass es mir ab und an oder auch so oft einfach sooo schlecht geht….

Manchmal habe ich es so satt, dass ich bei Hitze, oder Wärme mit Schwüle einfach nicht richtig funktioniere… (Uhthoff-Phänomen).

Manchmal habe ich es so satt, dass ich so kraftlos bin…

Manchmal habe ich es so satt, dass ich alles genauestens planen muss, dass ich Entscheidungen treffen muss, an die kein Gesunder überhaupt denkt. Z.B. ob ich die Geburtstags-Einladung auf Grund meines heutigen Zustandes annehmen kann und auf was ich dafür verzichten muss, um genügend Energie dafür übrig zu haben (Energie-Management).

Manchmal ist es einfach anstrengend, eine chronische Erkrankung zu haben, weil einfach nichts mehr so ist, wie es war.

Und manchmal habe ich auch keine Lust mehr immer nur zu lächeln…. Und doch tue ich es, – automatisch, um mein Gehirn davon zu überzeugen, dass „alles schon nicht so schlimm ist“ – denn mit einem bewussten Lächeln sendet man – wissenschaftlich nachgewiesen – Signale an das Gehirn.

Manchmal erschlägt es mich schlicht und ergreifend, dass ich mir so viele Gedanken machen muss, um meinen Tag zu schaffen….dass ich mich so verdammt einteilen muss, um nicht zwischendurch komplett schlapp zu machen.

Schlappmachen bei MS oder anderen chronischen Erkrankungen bedeutet nicht, dass man einfach mal „schlapp“ ist – nein, es bedeutet, dass auf Grund der Erschöpfung sämtliche Symptome, wie Sehstörungen und Schwierigkeiten beim laufen usw. hochkommen können, dass Schmerzen unwillkürlich auftreten, die Fatigue zuschlägt oder sonstige Symptome sich ihren Weg suchen. Einen Weg, der Spuren hinterlässt und uns als Häufchen Elend zurück lässt.

Manchmal habe ich es so satt, dass mich meine Erkrankung zu all dem zwingt, dass eine gewisse Sorglosigkeit für immer verloren ging. Da kann ich mich noch so gut und adäquat auf meinen „Satus Quo“ besinnen, kann psychologische gute Techniken anwenden, um damit klarzukommen: manchmal überfällt es mich und macht mir klar:

  1. nichts ist, wie es einmal war
  2. Du bist nicht gesund
  3. Gleichaltrigen Gesunden geht es deutlich besser

Manchmal bin ich all dies leid, manchmal habe ich das Gefühl, keine Kraft mehr aufbringen zu können und doch schaffe ich es immer und immer wieder. Ich lächle mir selbst MUT und Zuversicht zu und schaue nach vorne.

Täglich.

Minütlich manchmal….

Wir chronisch Kranken sind stark. Wir sind so stark, dass wir es manchmal selbst kaum merken und es uns dann vielleicht in Extrem-Situationen auffällt, oder wenn ein Gesunder über einen Schnupfen klagt! ;)

Hallo MS; Hallo Stärke und hallo Trauer um Gewesenes, das wir mit Dankbarkeit in uns bewahren. ©2017 Heike Führ/multiple-arts.com

*Ich bin glücklich – nicht trotz MS, sondern einfach, weil ich glücklich bin

Ich bin glücklich

Ich bin glücklich – nicht trotz MS, sondern einfach, weil ich glücklich bin.

OK, die MS ist da und manchmal zeigt sie ein fürchterliches Gesicht, zieht Grimassen und Fratzen und lässt mich, meinen geschundenen MS-Körper und auch meine Seele zappeln und in tiefe Täler stürzen.

Sie beschert mir Tausende von Symptomen und überrascht mich immer wieder neu. Und doch bin ich glücklich.

OK, ich habe vergleichsweise nur eine milde Verlaufsform und ich würde lügen, wenn ich nicht sage, dass ich manchmal und zeitweise auch sehr oft, sehr sehr sauer auf die MS bin. Ich mag sie nicht. Gar nicht! Ich finde sie lästig und mehr als aufdringlich. Es gibt Tage, da hadere auch ich… könnte weinen und bin verzweifelt.

Aber tief drinnen spüre ich eine tiefe Dankbarkeit: NICHT auf die MS!! – Sondern auf mein Leben, das ich auf Grund verschiedener glücklicher Umstände so leben kann, wie ich es lebe.

Ich habe tolle Kinder und Schwiegerkinder, ein entzückendes Enkelchen, einen tollen Mann, unseren Seelenhund Smiley, liebevolle Eltern und tolle Freunde.

Nein, mein Leben ist nicht perfekt – aber was bitte ist „perfekt“!?!

Mein Leben ist rundum ausgefüllt, es fordert mich, es fördert mich. Es geht mir so gut und mein Umfeld bietet mir so viel Inspiration, dass ich einen großen Lebenswillen verspüre und mich auch immer auf den kommenden Tag freue (Ausnahmen gibt es natürlich! ;) ).

Ich habe ein Leben für mich geprägt, das individuell für MICH gut so ist, wie es ist.

Ich liebe, ich werde geliebt – ich brauche und werde gebraucht. Es gibt Licht und Schatten, Freude und Leid und dies all dies nebeneinander: Das wahre Leben: so ist es.

Ich schaffe es, morgens aufzustehen, ich schaffe nicht immer meinen Tag, aber ich weiß, morgen geht es weiter.

Ich schaffe es, mein Enkelchen zu betreuen, für es da zu sein und viel Liebe austauschen zu können.

Ich schaffe es, gleichzeitig auf 2 große Hunde aufzupassen – neben Smiley – und bin dankbar, dass ihre Frauchen es mir zugetraut haben.

Ich schaffe es, meine Texte zu schreiben, während ich mit der Erschöpfung flach liege und ich schaffe meinen Alltag – irgendwie.

Ich schaffe es nicht, alle Termine einzuhalten oder gar zu vereinbaren, mich regelmäßig mit Freunden zu treffen, da meine Fatigue mir hier einen Strich durch die Rechnung macht und Vieles vereitelt.

Wer von meinen Freunden an mich glaubt, wer MIR glaubt und meine MS versteht, der versteht auch das. DANN schaffe ich es auch, mich nicht allzu sehr zu grämen! J

Ich schaffe es nicht, zu viele Reize um mich zu haben und ich schaffe es auch nicht, viel zu laufen und meine früher so geliebten Aktivitäten und Urlaube zu haben…. Aber ich genieße das, was ich noch kann.

Mein Leben ist VOLL: es ist voller notwendiger Pausen, voller Liebe und Achtung, voller Freude und auch voller Leid. Aber es ist voll – es ist nicht gleichgültig, sondern es ist lebendig. Mal mehr, mal weniger.