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*Wenn die Nerven nerven….

2Q== - *Wenn die Nerven nerven….

Wenn die Nerven nerven….

Wenn die Nerven nerven, wenn sie blank liegen und das wegen: fast nichts!

Es sollte mich nicht mehr wundern – „eigentlich“ weiß ich es doch: ich bin nicht mehr belastbar. Weg sind meine „eisernen Nerven“, weg ist vor allem jegliche Reserve jener und vorbei sind die Zeiten, in denen ich kleine Katastrophen als das wegstecken konnte, was sie sind: Unwägbarkeiten im Leben.

Zeiten, in denen ich relativ gelassen mit Verspätungen, Ungewissheit und Termindruck umgehen konnte. Vorbei. Aus und vorbei und doch haut es mich jedes Mal wieder aus „den Latschen“, dass es so IST!

Ich ignoriere dann offenbar mehr oder minder erfolgreich, dass ich diese Zustände meiden sollte – was zugegebener Maßen nicht einfach ist, wenn sie von „außen“ kommen.

Aber das Ignorieren hilft nur so lange, bis meine Gesichtshälfte taub wird, bis meine Augen mit Sehstörungen reagieren, meine Fatigue deutlicher als sonst anklopft und sich eine allgemeine Kraftlosigkeit bei mir breit macht und ich mich VÖLLIG entnervt fühle. Allerspätestens jetzt merke ich, dass da doch noch was war. Zwei kleine Buchstaben: MS!

Hallo MS! Da bist Du wieder und überfällst mich.

Kein Wunder, denn unsere Nerven liegen wortwörtlich teilweise blank, unsere Nervenleitbahnen sind teilweise völlig unterbrochen oder beschädigt.

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Nerven, was sind das für Dinger?

Nerven sind diese kleinen großen Dinger, die bei gesunden Menschen innerhalb des Nervensystems funktionieren.

Nerven bei MS`lern: Feuerwerk, Tsunami und Hölle!

Denn teilweise sind unsere Nerven so zerstört, dass sie nicht mehr funktionieren.

2Q== - *Wenn die Nerven nerven….

Warum also wundere ich mich immer wieder aufs Neue, wenn meine Nerven zu schnell blank liegen?!?

OK, ich wundere mich nicht mehr – ich habe es mir erklärt, ich weiß es nun wieder. Und was hilft? Achtsamkeit MIR und meinen Nerven gegenüber, Reizüberflutung ausschalten, mich in großer GELASSENHEIT üben und versuchen, durch die von außen aufgedrängte Situation möglichst unbeschadet hindurch zu kommen.
Unbeschadet? OK, schon passiert… Mein Körper hat Signale gesendet. „Unbeschadet“ geht nicht mehr…

Und wie erkläre ich das einem Außenstehenden? Dass meine Nerven „am Ende“ seien? Das sind die Nerven vieler Menschen. Dass aber unsere Nerven schon lange am Ende sind, dass sie zerstört sind und diese Form der Nervenbelastung für unsereins einen Tsunami darstellen kann – das kann man schwer erklärbar machen… Also schreibe ich es auf und hoffe auf Teilen und Sensibilisieren. 😉

Also hinaus in den Tanz der Emotionen, in den Tanz der Synapsen und Nerven. Hallo MS! Hallo Tanz durchs Leben – immer und immer wieder! ©2017 Heike Führ/multiple-arts.com

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foto - *Blanke Nerven - Wie ein Nervenzusammenbruch

*Blanke Nerven – Wie ein Nervenzusammenbruch

Kleinigkeiten, die jeden erwischen, Tag ein, Tag aus.

Jeden.

Und jeder kennt das. “Oh je, meine Nerven!”

Wir MS’ler haben sowieso ein gesondertes Verhältnis zu unseren Nerven.

Wenn uns etwas auf die Nerven geht, ist das schon ein kleines verrücktes Wortspiel.

Uns geht nämlich so Einiges auf die Nerven und das Schlimme daran ist, dass unsere Nerven nicht nur im übertragenen Sinne angriffen sind, sondern tatsächlich. Sie sind angegriffen, ihre Schutzhülle (Myelinschicht) ist stark zerstört oder ganz demoliert, durchgetrennt und unbrauchbar gemacht. Dies hinterlässt Narben, die mal als Läsionen im Gehirn, mittels MRT sichtbar machen kann.

Unser Immunsystem, das sich selbst angreift, beeinflusst offensichtlich so Einiges.

Manchmal habe ich das Gefühl, meine Nerven würden blank liegen. Ich meine damit: richtig blank. Ohne Schutzhülle… Und es stimmt ja sogar, Teile meiner Nervenbahnen liegen ja blank. Irreparabel blank.

Zurück zum Nervenzusammenbruch, den ich manchmal schon ankommen sehe. Es ist kein Nervenzusammenbruch, wie man ihn ansonsten aus der Literatur oder auch von sich oder lieben Menschen kennt und ich möchte den Ausdruck auch nicht missbrauchen.

Ich habe mir das Wort nur ausgeliehen, weil es so gut zu passen scheint. Bei Kleinigkeiten, wie ein nicht funktionierender Laptop, sind meine Nerven blanker denn je.

Ungeschützt sind sie. Ja, und das immer. Wenn dann noch etwas dazu kommt, zum normalen Alltagsgeschehen, dann wird mir übel, ich verzweifle völlig und konnte in Tränen ausbrechen.

Gut, ein nicht funktionierender Laptop IST heutzutage eine Katastrophe, zumindest bei mir 😉

Aber warum setzt mich so ein Ereignis so völlig außer Kraft, lähmt mich … und lässt mich mit Zittern und Herzklopfen reagieren, so als ob ich einen echten Nervenzusammenbruch hätte???!!!

Ich habe recherchiert und zumindest festgestellt, dass es anderen MS-Betroffenen genauso geht, oder ähnlich. Zum Beispiel ist es manchmal, oder auch oft so, dass wir nicht mehr angemessen auf eine Situation reagieren können. Nicht immer, aber leider immer öfter…

Hilflos und dies als “gestandene” Frau, die immer, wirklich immer, “ihre Frau gestanden” hat.

Emotionen und MS: diese sind durch die entsprechenden Läsionen gegebenenfalls betroffen. Es ist in Fachkreisen bekannt, dass MS`ler zu extremen Gefühlen und auch Gefühlsausbrüchen neigen. Vermehrtes Weinen zum Beispiel und dann nicht mehr aufhören können. Ebenso ist es offensichtlich beim Lachen vergleichbar heftig. Das fällt vielleicht erst einmal nicht so auf, aber Fakt ist, dass es bei manchen Menschen tatsächlich “unangebrachte” Lach-Flashs gibt. Das kann unter Umständen genauso peinlich ausarten, wie ein Weinkrampf.

Und für die Betroffenen bedeutet es, sich wieder einmal nicht “normal” zu fühlen. Sie sind evtl. auch einem Kreislauf an Belächeln , Unverständnis und Missbilligung ausgesetzt, ebenso wie einer Rüge oder gar Verachtung.

Und wieder muss man sich und seine MS in solchen Situationen erklären, (wenn es einem überhaupt in eben diesem einem Moment einfällt, denn oft ist man ja gerade etwas neben sich gerückt…).

Wenn also unsere Nerven generell blank liegen, blanker als die von Gesunden und wir dann noch einer außergewöhnlichen Situation gegenüber stehen – wen wundert es, bei dieser Betrachtungsweise, dass wir einfach manchmal nicht mehr weiter können, am Ende unserer Kräfte sind und innerlich zusammenbrechen… Vielleicht auch äußerlich…

Mit unseren Nerven sind wir im wahrsten Sinn des Wortes in solch einem Moment am Ende.

Und da dies nicht bei jedem MS`ler so oder genau so ist, kann ich wieder einmal nur an die Besonnenheit der Angehörigen appellieren, zu versuchen, diese komplexe MS möglichst zu begreifen.

Es tut weh, wenn wir belächelt oder nicht ernst genommen werden, weil es doch “gar kein großes Ding war” und wir uns angeblich aber so “enorm aufgeregt haben”.

Mir wird in solchen Momenten immer bewusst, was wir eigentlich tatsächlich täglich schultern und meistern. Wie stark wir sind, solch eine Last ganz selbstverständlich zu tragen. Täglich, oft auch ohne, dass man es uns ansieht….

Manchmal müssen wir krampfhaft unser Level halten um den Tag zu meistern. Es ist, wie wenn man eine bis an den Rand gefüllte Flasche auf dem Kopf tragen, BALANCIEREN, müsste und ein winziger Tropfen uns völlig aus dem Gleichgewicht bringen würde. Ein unsichtbarer Stolperstein reicht dann schon. Wenn wir also so stark versuchen, unser Balance zu halten, dann kann uns ein winziges Detail völlig aus der Bahn werfen und die Emotionen brechen heraus.

Wir leben, wir genießen auch ganz oft und freuen uns. Aber die Trauer über ein nicht der Norm entsprechendes Verhalten, wie zum Beispiel ein schnelleres Weinen, das be-LASTet uns um ein Vielfaches.

Emotionale Fatigue, die komplette und totale Erschöpfung ist dann manchmal eine der Folgen und die kann uns tagelang aushebeln.

Natürlich möchten wir nicht in Watte gepackt werden, aber manchmal hilft es unseren blanken Nervenbahnen sehr, wenn uns mal jemand eine an sich banale Arbeit abnimmt, einen Telefonanruf und auch eine Entscheidung.

Blanke Nerven telefonieren nicht gut und vor allem können sie sich nicht konzentrieren, nicht entscheiden, wahrend sie hören und verarbeiten! Blanke Nerven haben es schwer, weil sie niemand schützt…

Bitte liebe Angehörigen: Wir brauchen Euch ab und zu und sind dankbar für jede noch so kleine Hilfe. Denn wir müssen in solchen Momenten Vieles, zu viel, aushalten: die MS mit all ihrer Last, den Verlust der Kraft, diese “Kleinigkeit” selbst erledigen zu können und es kratzt an unserem Selbstwert. Dieser liegt nämlich auch manchmal blank. ©2014 Heike Führ/multiple-arts.com