Archiv für den Monat: März 2013

*MS-untaugliche Sprüche, Teil 4

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MS-untaugliche Sprüche Teil 4
Prinzipiell sieht dieses Foto wunderschön aus und allein schon beim Anblick der Karawane, beim Bewusstmachen der Unendlichkeit der Wüste und der Vorstellung der schaukelartigen langsamen Bewegungen der Kamele, überkommt mich so etwas wie Ruhe. Aber dann ist es auch schon wieder vorbei 😉 Vorbei mit der Ruhe, denn ich lese die Zeilen.
Ja, ich weiß: auch dies ist anders gemeint und prinzipiell liegt in „der Ruhe die Kraft“ und die Geduld schützt auch vor voreiligen Entscheidungen, und so weiter. Aber in meinem Fall: wie bereits in Teil 3 beschrieben: meine Verzweiflung über den abgelehnten Rentenbescheid. Hieße das, wenn ich genügend Geduld hätte und es aus6sitze, wird es schon klappen? Von alleine??? Ein geduldiges Einsehen der Rentenversicherung? Ziel erreicht? NUR mit Geduld? Schön wär`s! Oder welcher gehbehinderter MS`ler geduldet sich in Endlosgeduld im Rollstuhl und fühlt sich schon fast angekommen? Am Ziel. Nein, so geht das nicht!
Im konkreten Fall sieht es anders aus und wir müssen eine außerordentliche Geduld aufbringen, um überhaupt ein Ziel zu erreichen. Denn wir wissen, dass manche unserer Ziele schlichtweg unerreichbar sind. Da nutzt uns auch Geduld nichts. Ein Blinder wird mit viel Geduld auch nicht wieder sehen können.
Aber wir warten mit unendlicher GEDULD und Hoffnung darauf, dass eines Tages (möglichst, wenn wir noch am Leben sind), ein Wundermittel gefunden wird, das uns heilt, wirklich heilt!

Habt Geduld! 😉

Bildquelle: facebook/Weisheiten und Zitate, danke!

 

*MS-untaugliche Sprüche Teil 2 und 3

MS-untaugliche Sprüche Teil 2

 

Verwandle große Schwierigkeiten in kleine und kleine in gar keine!“

aus China

 

Prima: ist ja ganz einfach!

Nehmen wir mal an, die MS sei eine „große Schwierigkeit“ an sich, ja nun, dann verwandeln wir sie mal geschwind in eine kleine Schwierigkeit. Das dürfte doch nicht schwierig sein…

Oder verwandeln wir mal unser Spritzen in eine „gar keine Schwierigkeit, noch nicht einmal eine kleine“! Warum denn nicht? Dieses bisschen Spritzen, den Schmerz des Einlaufens der Flüssigkeit aushalten, dieses Brennen und Stechen und anschließend verhärtete rote Einstichstellen, die sich gerne, sehr gerne, in Mammut-Blaue-Flecken verwandeln, zu ertragen: kein Problem, eine Nichtigkeit und diese unwesentliche Einschränkung ist ja auch nur 3x wöchentlich  (oder je nach Medikament täglich) durchzustehen. Kein Problem: das ist doch eine Schwierigkeit, die man bedenkenlos in eine kleine oder „gar keine“ verwandeln kann. Ebenso die zahlreichen Nebenwirkungen dieser Spritzen: nächtlicher Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Spastiken: DIES in eine Kleinigkeit verwandeln??? Bitte, gerne… Aber WIE? – außer mit wieder anderen Medikamenten: die Leber freut`s!

Klar, gemeint ist wieder etwas anderes mit diesem Spruch 😉 Als ob ich das nicht wüsste 😉  Aber MS-tauglich ist dieser weise Spruch nicht, und das haben wir nun schon an Hand eines Gegenargumentes widerlegt!

Hallo MS! Hallo Nichtigkeit!

 

MS-untaugliche Sprüche Teil 3

Im Garten der Geduld wächst die Stärke“ Judy Parker

Das Thema „GEDULD“  ist bei mir sowieso ein Reizthema. Wenn ich etwas nicht habe, dann ist es Geduld.

Das ist bei freudigen Ereignissen genauso, wie bei traurigen Vorkommnissen.

Ich erlebe beispielsweise eine so intensive Vorfreude auf eine Feier, oder ein Treffen mit Freunden, dass ich ganz hibbelig werde und mich selbst immer ermahnen muss, doch mal in Ruhe abzuwarten 😉

Bei schönen Begebenheiten ist es ja dem „Stresspegel“ noch einigermaßen zuträglich, wobei es der MS auch nicht immer gut tut und sie sich auch gerne im Vorfeld positiver Erlebnisse mit Schwindel oder tauben Gliedmaßen zu Wort meldet.

Aber bei Negativerlebnissen, wie zum Beispiel der Ablehnung meines Antrages auf volle Erwerbsminderungsrente, kann es gleich ganz anders aussehen: hier ist Geduld eine echte Katastrophe für mich (abgesehen von anderen Emotionen, die in solchen Momenten auf einen einstürzen, wie Betroffenheit, Verzweiflung Ungerechtigkeitsempfinden und Wut, Fassungslosigkeit und Machtlosigkeit).

Mein geschundener MS-Körper reagiert heftig auf solche Vorfälle und kramt alle bekannten MS-Symptome hervor, um mich auch bloß an die begangene Ungerechtigkeit des -z.B.-  Gutachtens zu erinnern.

Geduld: wie soll ich Geduld aufbringen und in welchem blühenden Garten soll ich sie zur Stärke wachsen lassen?

Ich muss meine MS aushalten, muss einen für mich unglaublich ignoranten Bescheid der Rentenversicherung ertragen: mein Garten ist verblüht. Keine Pflanze, sei sie noch so klein, gedeiht mehr. Sie sind alle vertrocknet und verbraucht. Sie haben keine Energie mehr, meine MS-Pflänzchen. Stärke habe ich nur noch tief in mir drinnen. Wie ein Gen zum Überleben. Stärke mit dem Bewusstsein, dass ich nun sehr stark sein MUSS, weil ich um Anerkennung kämpfen muss.

Wo soll ich da die Stärke für GEDULD aufbringen?! Solch eine geduldige Stärke muss gepflegt werden und wie soll ich sie pflegen, wenn ich doch am Verdursten bin und mein Pflänzchen, das ohnehin sehr zart ist, am Eingehen ist?

Vielleicht hilft mir ja dieses Zitat weiter:

In der Tiefe der Geduld ist der Himmel“ Kanuri

Nein, es hilft mir auch nicht weiter. Der Himmel ist im Moment weit weg. „Hinter`m Horizont geht`s vielleicht weiter“, aber  mein Horizont ist im Moment sehr begrenzt, da ich unsagbar leide. Leide an einer falschen Entscheidung, deren Leidtragende ich bin. Meine MS und ich. Gemeinsam. Meine Familie, meine Freunde, meine MS UND ich.

Wir leiden und der Himmel ist weit entfernt.

Der Garten ist verwaist.

Hallo MS! Und hallo Geduld: wo bist Du inmitten der Ungerechtigkeit???

 

 

*MS-untaugliche Sprüche Teil 1

Geht es Euch auch manchmal so, dass Ihr gewisse Sprüche und Zitate nicht mehr sehen könnt? Ich muss ja zugeben, dass ich Zitate und gute Sprüche liebe, sie inspirieren mich zum Schreiben, Nachdenken, oder zum Webewegen von eingefahrenen Mustern, Hin-Bewegen zum Ausprobieren, oder eben einfach dazu, wozu sie ursprünglich gedacht waren 😉

Aber dann gibt es Sprüche, bei denen man sich fragt, wer auf solch eine Idee kam?

Beispiel:

Das Geheimnis des KÖNNENS liegt im WOLLEN!“
Giuseppe Mazzini-

Dieser Mann hat vermutlich nie mit den Unwegbarkeiten seines Körpers kämpfen müssen.

Ein Blinder, der gerne sehen WILL! Na los! Ein Tauber, der gerne hören können möchte, ein Gelähmter, der gerne laufen möchte.

Ein MS`ler, der gerne keine Fatigue hätte, der vielleicht gerne nicht inkontinent wäre, oder der gerne keinen Schwindel hätte.

Ein Depressiver, der gerne fröhlich wäre ….

Die Liste der Menschen, die gerne können wollen, aber es tatsächlich nicht können, wäre sicherlich unermesslich lang.

Sicherlich ist dies mit diesem Spruch nicht wirklich gemeint, sondern Herr Mazzani geht von einem willentlich beeinflussbaren Vorhaben aus. Aber es lesen nun mal auch Leute wie wir, die einfach manche Dinge nicht können, auch wenn sie wollen.

Hallo MS – heißt leider: tschüss manch willentlich beeinflussbares Können!