
Das UHTHOFF-Phänomen bei Hitze: genau erklärt
Anhaltende Hitze um 39 °C kann bei chronisch kranken Menschen sehr viel auslösen!
Und bei MS mit Uhthoff-Phänomen ist das leider oft eine besonders fiese Kombination!
Die kurze Version ist: Hitze macht bei MS meist keine “neuen Schäden” am Nervensystem, aber sie kann bereits vorgeschädigte Nerven deutlich schlechter arbeiten lassen.
Und wenn die Hitze nicht nur mal für ein paar Stunden, sondern tagelang oder wochenlang anhält, kommt noch eine zweite Ebene dazu: Der ganze Körper gerät in Dauerstress – Kreislauf, Schlaf, Flüssigkeitshaushalt, Erschöpfung, Konzentration, Entzündungsneigung.
Was passiert bei MS und Hitze überhaupt?
Bei MS ist die Myelinschicht – also die Isolierung der Nervenfasern – an manchen Stellen geschädigt. Diese Isolierung sorgt normalerweise dafür, dass elektrische Signale schnell und sauber weitergeleitet werden. Wenn dann die Körpertemperatur steigt, kann genau diese ohnehin gestörte Reizleitung noch instabiler werden.
Schon ein kleiner Temperaturanstieg von etwa 0,2–0,5 °C kann bei manchen Menschen mit MS reichen, damit Symptome aufflammen.
Das ist das Uhthoff-Phänomen!!!

Typisch sind vorübergehend mehr:
* Fatigue / bleierne Erschöpfung
* Muskelschwäche, schwere Beine
* Unsicherheit beim Gehen, Koordinationsprobleme, mehr Spastik
* verschwommenes Sehen, Doppelbilder
* Konzentrations- und Wortfindungsprobleme
* Schwindel, Reizüberflutung, “Watte im Kopf”
* manchmal auch Blasenprobleme oder stärkeres Kribbeln
▶️▶️ Das Wichtige dabei: Das ist meist kein echter Schub, sondern eine vorübergehende Funktionsverschlechterung, weil die Nerven bei Wärme schlechter leiten.
Wenn der Körper wieder runterkühlt, bessert sich das in der Regel wieder.

- Was macht Hitze mit dem Nervensystem – ganz konkret?
Vereinfacht gesagt: Die Nervenleitung wird „störanfälliger“.
Bei demyelinisierten Nervenfasern ist die elektrische Weiterleitung ohnehin schon grenzwertig.
Wärme verändert, wie Ionenkanäle in der Nervenzellmembran arbeiten – also die kleinen “Tore”, über die Natrium und Kalium fließen, damit ein Nervenimpuls weiterlaufen kann.
Bei geschädigten Nerven kann Wärme dazu führen, dass die Leitung langsamer wird oder zeitweise blockiert.
Genau deshalb fühlen sich alte Symptome plötzlich an, als hätte jemand den Stecker halb gezogen.
Man kann es sich so vorstellen:
▶️ Gesunder Nerv = gut isoliertes Kabel, funktioniert auch bei Wärme noch recht stabil.
▶️ MS-Nerv = Kabel mit beschädigter Isolierung.
Solange die Bedingungen okay sind, geht’s noch irgendwie. Wird es zu warm, „flackert“ das Signal oder kommt nicht mehr sauber an.

Warum ist lang anhaltende Hitze nochmal etwas anderes als “ein heißer Tag”?
Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ein einzelner heißer Nachmittag kann Uhthoff auslösen.
Eine Hitzewelle mit 35–39 °C über viele Tage ist aber zusätzlich ein Dauerbelastungstest für den ganzen Organismus.
- Der Körper kann schlechter runterkühlen
Wenn es auch nachts warm bleibt, fehlt die Erholung. Dann ist der Körper quasi ständig leicht überhitzt oder damit beschäftigt, nicht zu überhitzen.
Das bedeutet:
* höhere Kreislaufbelastung
* mehr Schwitzen
* Flüssigkeits- und Salzverlust
* schlechterer Schlaf
* höhere Grunderschöpfung
* weniger Belastungsreserve für Gehirn und Muskeln
Bei MS heißt das oft: Die Schwelle, ab der Symptome kippen, wird immer niedriger.
Dann klappt irgendwann nicht mal mehr Bewegung – schon Duschen, Kochen, Treppensteigen oder Denken kann “zu viel” sein.
- Das autonome Nervensystem läuft auf Anschlag
Hitze aktiviert Stress- und Thermoregulationssysteme:
* Blutgefäße weiten sich
* Puls steigt
* Kreislauf arbeitet härter
* Schwitzen
* der Körper versucht permanent, die Kerntemperatur stabil zu halten
Bei chronisch Kranken, die ohnehin weniger Reserven haben, kann das zu einem Gefühl führen von:
* „ich kippe gleich weg“
* Herzrasen / Schwäche / Zittrigkeit
* Benommenheit
* diffuse Unruhe oder Gereiztheit
* völliger Erschöpfung nach Kleinigkeiten
- Schlafmangel verschärft neurologische Symptome
Wenn man in Hitze schlecht schläft, ist das bei MS doppelt gemein:
* Fatigue wird schlimmer
* Reizfilterung wird schlechter
* Schmerzempfinden kann steigen
* Konzentration und Wortfindung brechen schneller ein
* Stimmung und Belastbarkeit sinken
Und dann wirkt es so, als würde die MS “explodieren”, obwohl mehrere Dinge gleichzeitig zusammenspielen: Wärme + Schlafmangel + Kreislaufstress + Flüssigkeitsmangel + ohnehin empfindliche Nervenleitung.

Was kann eine Hitzewelle bei chronisch Kranken insgesamt auslösen?
Nicht nur bei MS, sondern generell bei chronischen Erkrankungen kann anhaltende Hitze unter anderem verstärken:
*Kreislauf und Herz
* Blutdruckabfall, Schwindel, Schwäche
* Herzrasen
* mehr Belastung fürs Herz-Kreislauf-System
* Dehydrierung Gehirn und Nerven
* Konzentrationsstörungen
* Benommenheit, “Gehirnnebel”
* Kopfschmerzen
* Reizbarkeit, innere Unruhe
* stärkere Erschöpfung Muskeln / Mobilität
* Schwächegefühl
* Gangunsicherheit
* mehr Stürze
* Spastik oder Muskelkrämpfe
* insgesamt schlechtere Belastbarkeit
Medikamente werden “spürbarer”
Bei manchen chronisch Kranken können Medikamente in der Hitze problematischer werden, z. B. wenn sie:
* entwässern,
* den Blutdruck beeinflussen,
* müde machen,
* die Schweißproduktion beeinflussen,
* oder zusammen mit Flüssigkeitsmangel Kreislaufprobleme verstärken.
Und speziell bei MS: Macht diese Hitze das Nervensystem auf Dauer kaputt?
Hier ist die ehrliche, wichtige Unterscheidung: Wahrscheinlich nicht im Sinne von: “Hitze verursacht automatisch neue MS-Schäden.”
Das klassische Uhthoff-Phänomen gilt nicht als neuer Schub und nicht als neue Entmarkung, sondern als vorübergehende Leitungsstörung in bereits betroffenen Bahnen!!!
Aber: Eine extreme Hitzebelastung ist trotzdem nicht harmlos, weil sie funktionell enorm destabilisieren kann:
* mehr Sturzrisiko
* mehr Erschöpfung und Rückzug
* weniger Bewegung
* schlechtere Selbstversorgung
* höheres Risiko, Infekte oder Dehydrierung zu übersehen
* im schlimmsten Fall Hitze-Erschöpfung oder Hitzschlag
Und: Wenn jemand tagelang kaum trinkt, schlecht schläft, sich kaum erholt und körperlich abbaut, dann kann das natürlich insgesamt zu einer massiven Verschlechterung des Zustands führen – auch wenn das nicht automatisch “neue MS-Läsionen” bedeutet.
Es gibt außerdem Hinweise, dass extreme Umweltwärme und Hitzewellen mit mehr Symptomverschlechterung und teils auch mehr Krankenhausaufnahmen bei MS verbunden sein können.
Das ist ein Bereich, der gerade wegen Klimawandel und häufiger werdender Hitzewellen immer wichtiger wird.
Woran merkt man: Das ist noch Uhthoff – und wann sollte man hellhörig werden?
Eher typisch für Uhthoff / Hitzesensitivität:
* bekannte alte Symptome werden plötzlich stärker
* es hängt zeitlich mit Hitze, Anstrengung, warmem Duschen, Fieber etc. zusammen
* es bessert sich wieder mit Kühlen, Ruhe, Trinken, Temperaturabfall
Bitte ärztlich abklären, wenn:
* ganz neue neurologische Symptome dazukommen
* die Verschlechterung länger als 24 Stunden anhält, obwohl du wieder kühl bist
* Fieber, Harnwegsinfekt, Infektanzeichen dazukommen
* du deutlich verwirrt, sehr benommen oder kreislaufinstabil wirst
* du kaum trinken kannst / stark dehydriert bist
* du das Gefühl hast: „Das ist nicht mein normales Hitze-Muster“
Gerade bei MS kann ein Infekt eine Pseudo-Verschlechterung triggern, die sich wie Hitze anfühlt – deshalb lohnt sich da Aufmerksamkeit.
- Was in so einer 39-Grad-Phase wirklich helfen kann
Nicht als “Wellness-Tipp”, sondern eher als Nervensystem-Schadensbegrenzung:
*Kühlung von innen und außen
* morgens lüften, tagsüber abdunkeln
* Ventilator plus feuchtes Tuch / Sprühflasche
* kühle Fuß- oder Unterarmbäder
* Kühlakku in Tuch an Nacken / Leisten / Unterarme
* lauwarm statt heiß duschen
* eiskalte Getränke müssen nicht sein, aber regelmäßig trinken
* bei starkem Schwitzen auch an Elektrolyte denken, wenn medizinisch nichts dagegenspricht
*Energie clever einteilen
* körperlich und kognitiv Anstrengendes in die frühen Morgenstunden verlegen
* bewusst Pausen einbauen, bevor der Akku leer ist
* draußen möglichst vermeiden zwischen Mittag und frühem Abend
* Hilfsmittel ohne schlechtes Gewissen nutzen, wenn sie Kraft sparen
Wärmequellen, die man leicht unterschätzt
* Kochen/Backofen
* heißes Duschen
* Föhnen
* Treppensteigen mit Einkauf
* zu warme Bettdecke
* synthetische Kleidung
* “Ich mach nur mal eben schnell …” — leider oft die klassische Falle
Mein Fazit in einem Satz
Bei MS mit Uhthoff-Phänomen kann langanhaltende Hitze das Nervensystem nicht unbedingt neu schädigen, aber sie kann bereits geschädigte Nerven so stark in ihrer Leitfähigkeit stören, dass der ganze Alltag vorübergehend zusammenklappt – körperlich, kognitiv und emotional!!!
Und wenn die Hitze über Tage bleibt, kommt zur reinen Nervenleitungsstörung noch ein echter Dauerstress für den ganzen Körper dazu.
Ihr Lieben, ich habe all das gut recherchiert, aber ich kann natürlich eine Garantie geben! Passt alle gut auf Euch auf bei der Hitze!!!
Herzliche Grüße, mit einem nassen Handtuch um den Nacken: Heike 😊
Copyright 2026 Heike Führ/multiple-arts.com
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