* „Me, myself and I“

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Me, myself and I“                                                                         2010

Nicht zum Lachen, oder doch? : eine Persönlichkeit mit DREI „ICHS“!

Und doch haben in meiner letzten Reha alle Betroffenen und „Mit-Rehaner“ über diesen selbstironischen Satz von X. mit geschmunzelt.

Und so weit hergeholt ist es ja nicht:

Bei uns MS`lern sicher im Normalfall nicht im psychiatrischen Sinne von Schizophrenie. Aber dem lustigen Abend, an dem wir alle viel geblödelt haben, ist für mich ein ernsthafter Gedanke entsprungen: wo ist mein ICH?

Zeitweise habe ich das Gefühl, es vor lauter MS verloren zu haben. Und plötzlich finde ich es wieder: da ist es, mein altes vertrautes ICH.

Ich kenne Dich noch; oder: ich erkenne Dich noch. Welch Freude!

Und doch merke ich, dass sich mein altes ICH schon etwas zersplittert hat: es ist nicht mehr in seiner Grundsubstanz als Ganzes da. Als ob es Risse bekommen hätte, die zu Abspaltungen führten.

Dieses ganz alte ICH, das so komplett war, das scheint es nicht mehr zu geben.

In früheren, vermeintlich gesunden Zeiten, hatte ich ein ICH, das gefestigt war, das seine Frau stand und mit sich und der Welt zufrieden war. Immerhin kann ich bei genauem Hingucken erkennen, dass die Grundsubstanz noch unverletzt ist. Was ein Glück! Manchmal muss man tief schauen. Und dann lohnt es sich!

Früher, da sah alles noch so einfach aus, so unkompliziert und erfrischend.

Ein praller Strauß wunderschöner Blumen.

Heute sind sie verwelkt … die Meisten jedenfalls. Aber ich gebe sie nicht auf: sie können jeder Zeit wieder zu beginnen zu blühen, das hat uns die Natur gelehrt.

1994 wurde mein, glücklicher Weise recht gefestigtes, ICH stark erschüttert: ICH konnte auf dem linken Auge nichts mehr sehen und grotesker Weise war dieses Auge auch noch nach außen stehend gelähmt. Ich konnte MICH nicht mehr richtig sehen. Wo war ICH?

Tagelang war ICH verloren in der Klinik, bei Untersuchungen, Gesprächen, Vermutungen und MRT`s. Ich war nicht mehr ICH; ich war JEMAND im Krankenhaus, in der Maschinerie einer Uni-Klinik: unpersönlich; keiner hat sich um mein ICH gekümmert: ich war ein hochinteressanter Fall mit gelähmten blinden Auge.

Irgendwann war klar: ich habe wohl MS. Schock! Aber da ich ja ein gefestigtes ICH hatte, habe ich mit Hilfe meiner Familie und lieben Freunden mein ICH nicht verloren. Was ein GLÜCK!

In den nachfolgenden Jahren gab es immer wieder Stunden, Tage, Wochen, in denen ich mich verlor: in einer Welle aus Angst und Ungewissheit. 

Mein Mutter-ICH hatte das Glück, immer weiter funktionieren zu können und zu müssen. DAS habe ich nie verloren, weil der Mutter-Trieb scheinbar stärker ist, als das „verwirrende“ ICH, das mir das geliebte vertraute „Vor-der-Krankheit-Ich“ ab und zu stahl.

Aber zurück zu den DREI  ICH`s: mein ALT-ICH hat mich also nie verlassen, es irrt scheinbar nur mal zwischendurch auf Abwegen, aber ich kann es wieder finden, oder es sucht MICH.

Dann gibt es noch mein ANGST-ICH: an guten Tagen wird es vom ALT-ICH deutlich übertrumpft. Wenn sich dieses aber gerade auf Abwegen befindet (natürlich ungefragt), dann schießt es aus den Untiefen hervor und quält mich. Vielleicht sollte ich es QUÄL-ICH nennen: es ist gemein, unberechenbar und oft nicht aufzuhalten. Manchmal lässt es sich beruhigen und zieht sich wieder fast völlig zurück. Aber ich habe das Gefühl, dass ich es noch nicht ganz besiegt habe. Ich glaube, dieses QUÄL-ICH ist mit meiner MS liiert – es geht fast ausschließlich um diese Krankheit, wenn es wüst und ungestüm hervor kommt.

Und dann gibt es noch ein NEU-ICH: das ALT-  und das QUÄL-ICH haben scheinbar Nachwuchs bekommen (natürlich auch wieder ungefragt). Das NEU-ICH.

Das ist also ein Produkt der beiden anderen ICH`s und muss sich erst neu formieren. Es muss sich neu finden, erfinden. Es ist nämlich ein Teil des Neuen. Es kann sich meistens auf das ALT-ICH verlassen, an es anknüpfen, auf ihm aufbauen und Zuversicht entwickeln. Aber das QUÄL-ICH ist auch stark und fordert seine Beachtung sehr stark ein. Negativ-Beachtung nennt man es. Aber scheinbar weiß es sich nicht anders zu helfen.

An manchen Tagen stimmt die Ausgewogenheit nicht und ich suche nach meinem alten ICH, ich sehne mich nach dem alten ICH. An guten Tagen weiß ich, dass das NEU-ICH ganz viele Stärken hat, neue Kraft aus dem ALT-ICH gewonnen hat und dass es nicht die einmalige Chance verpassen darf, ein starkes NEU-ICH-BIN-ICH zu werden!

Ich denke, wir DREI können glücklich miteinander werden! ©Heike Führ

 

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