Archiv für den Monat: Juni 2016

*MS-Grenzen

 

Z - *MS-Grenzen

Es ist toll, wie mich meine Leser inspirieren! 🙂
Neulich schrieb mir B.S. dass sie es gut fände, dass ich teilweise an oder über meine Grenzen gehen würde: „Auch, wenn Du danach die Quittung bekommst… Aber so lange es so ist, hast Du die Macht und nicht die MS!“

Ist das nicht ein toller Satz?

Ich habe tagelang über diese Aussage philosophiert und bin irgendwie „eins“ geworden mit diesem Satz!

Denn es stimmt: auch wenn wir manchmal, sei es gewollt oder ungewollt, über unsere Grenzen gehen, selbst wenn wir die gefürchtete Quittung erhalten und darunter leiden müssen – eins haben wir damit aber bewiesen: wir lassen die MS nicht dominieren. WIR bestimmen und nehmen eine Quittung in Kauf. Man könnte dies auch mit „selbstbestimmt“ übersetzen. Vielleicht nicht immer vernünftig, aber es zeigt auf, dass wir in solchen Momenten nicht bereit sind uns zu beugen. Wir fordern zwar vielleicht die MS heraus mit all ihren ungeheuerlichen Symptomen, aber wir bieten ihr die Stirn! Wir trotzen ihr!

Wir bestimmen in diesen Momenten, wo es lang geht. Und wie oft ist es das auch wert!

Wer es gewohnt ist, genau zu planen, eine gutes Energie-Management zu betreiben und sich und sein (MS)-Leben gut organisiert, der kann meistens einschätzen, wie weit man gehen kann. Wenn man es übertreibt, weil die Situation vielleicht gerade so schön ist und man sie auskosten möchte, ist das zwar ein anderes Handeln, als es ein Gesunder kennt, der keine Quittung erwarten braucht, aber es ist ein unserem MS-Leben angepasster Prozess. Er zeugt von unermüdlicher Lebensfreude –und Kraft, von Lebenswillen und Optimismus!

Also scheuen wir uns nicht, ab und an mal die Grenzen zu überschreiten und sehen selbst die nachfolgende „Quittung“ als gegeben an und seien wir dann stolz auf unseren MUT und Lebenswillen J Hallo MS; Hallo Tanz durch Grenzen hindurch und Hallo Lebensfreude! © 2016 Heike Führ/multiple-arts.com

*Ein gedrosseltes Leben – ächzend, dampfend, aber lebend!

Ein gedrosseltes Leben – ächzend, dampfend, aber lebend!

  9NY7uwAAAABJRU5ErkJggg== - *Ein gedrosseltes Leben – ächzend, dampfend, aber lebend!

DAS wurde mir gerade wieder einmal bewusst: mein Leben ist schön und erfüllt, aber es läuft gedrosselt – und zwar nicht nur manchmal, sondern IMMER. Weiterlesen

*Natürlich haben wir uns verändert!

Natürlich haben wir uns verändert!

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Ja, wir haben uns verändert und das sei jedem Vorwurf: „Du hast Dich ja total verändert“ erst einmal entgegen gebracht.

Zum Ersten stellt sich die Frage: Was will uns unser Gegenüber damit sagen?

Zum Zweiten stellt sich die Frage: Möchte ich dort stehen bleiben, wo ich einmal war?

Ganz nach Bertolt Brecht: ‘Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: “Sie haben sich gar nicht verändert.” “Oh!”, sagte Herr K. und erbleichte. – Bertolt Brecht, Das Wiedersehen‘

Jeder Mensch sollte sich im Laufe seines Lebens weiter entwickeln können und somit verändern. Denn wer sich nach langer Zeit nicht verändert hat und sich dementsprechend auch nicht weiter entwickelt hat, oder gar auf seinem alten Stand stehen geblieben ist, der kann nicht wirklich gelebt haben. Es scheint fast eine  Abwertung der eigenen Person zu sein, wenn man beschuldigt wird, sich nicht verändert zu haben.

Als ein Kompliment kann ich es nur betrachten, wenn mir mein Gegenüber glaubhaft versichern möchte, ich hätte mich „jung“ gehalten 😉 J

Wenn man also davon ausgeht, dass sich jeder emotionale gesunde Mensch weiterentwickelt, wäre der Spruch tatsächlich seltsam.

Der umgekehrte Ausspruch: „Seit Du krank bist, hast Du Dich so verändert!“, ist ebenfalls eine solch merkwürdige Floskel, die aber herb verletzen kann….

Mit einer chronischen Erkrankung hat das für mich alles nochmal eine andere gewichtige Seite. Denn wer verändert sich nicht, wenn er die Diagnose erhält, dass er beispielsweise mit einer unheilbaren Erkrankung zu tun hat oder gar bleibende Behinderungen erhält. Eine gesunde Psyche, die sich nicht aufs Verleugnen spezialisiert hat, sondern der Erkrankung ins Angesicht blickt, wird sich verändern. Sicherlich gibt es auch hier extreme Beispiele, aber kalt kann es niemanden lassen, wenn er beispielsweise die Diagnose MS erhält.

Wichtig ist eine sogenannte psychologisch gesehene „Anpassung“ an die neuen Umstände und eine möglichst guter Umgang mit der neuen Situation. Das schafft der eine besser, der andere schlechter.

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Aber es verändert uns auf jeden Fall.

Es verändert uns aber nicht unbedingt negativ, wie uns unser Gegenüber vielleicht glauben machen möchte – aber es hinterlässt Spuren, die wir verarbeiten müssen und die uns prägen.

Mich hat die MS stärker gemacht und ich habe geübt, mehr Achtsamkeit mir SELBST gegenüber walten zu lassen. Damit grenze ich mich natürlich deutlicher ab, was in einem gewohnten Beziehungsgeflecht erst einmal „neu“, das heißt, auch FREMD sein kann und schwups könnte man den Vorwurf hören: „Du hast Dich aber verändert! Seit du MS hast!“.

Ja, ich habe mich verändert, denn eine gewisse Leichtigkeit und Unbesorgtheit ist aus meinem Leben verschwunden; ich muss mich ständig unterschiedlichen und sich zum Teil auch verschlechternden Umständen anpassen; ich muss täglich meiner MS die Stirn bieten; ich muss auf Vieles verzichten und mein Leben anders sortieren und organisieren. Sollte DAS ALLES keine Spuren hinterlassen? Das wäre allerdings befremdlich!

Natürlich gibt es auch positive Veränderungen (VERÄNDERUNGEN!!!) durch die MS: ich habe tolle neue Menschen kennengelernt; ich stehe mehr zu mir; ich bin mir und somit auch anderen gegenüber achtsamer geworden; ich genieße schöne Momente doppelt und lebe intensiver. Das sind nur einige der guten Seiten meiner Veränderung. Des Weiteren habe ich mit dem Bloggen, Schreiben und Malen begonnen, was mich voll und ganz erfüllt; fast meine Seele belebt und ihr Streicheleinheiten gibt. Auf einer anderen Ebene bin ich dadurch „bei mir angekommen“ und dafür bin ich dankbar.

Eins ist sicher: Ich bin NICHT stehen geblieben, ich habe mich weiterentwickelt und deshalb muss ich mich zwangsläufig verändert haben und das ist GUT so!

Jeder kann für sich überlegen, was ihm an Gutem widerfahren ist, was ihn geprägt hat und warum er sich deshalb im POSITIVEN verändert hat… Dann hat man bei der nächsten Anklage etwas entgegen zu setzen. Sei es der merkwürdige Ausspruch, man habe sich gar nicht verändert, oder der Vorwurf, man habe sich verändert.

Sicher ist bei diesen Aussprüchen immer, dass sie ganz viel mit der Person zu tun haben, die diesen Satz ausspricht – denn sie spiegelt ihr Problem vermutlich gerade und es hat weniger mit uns selbst, als mit ihnen selbst zu tun. Auch das darf man sich einmal bewusst machen! J
Ich wünsche Euch ein frohes Nachdenken und dass Ihr feststellt, nicht stehen geblieben zu sein J ©2016 Heike Führ/multiple-arts.com

*Einen tauben Fuß später… Uhthoff der Mist-Kerl!

Einen tauben Fuß später… Uhthoff der Mist-Kerl!

Z - *Einen tauben Fuß später… Uhthoff der Mist-Kerl!

Frühsommer und kühle Temperaturen, dachte ich. Ein kleiner Ausflug zum „Erdbeerfest“ in unserem Ort mit Mann und Hund – ich habe mich gefreut und nicht mit der plötzlich erscheinenden stechenden Sonne gerechnet, die sich nach einem verregneten kühlen Tag ihre Bahn brach.

Und – Ihr ahnt es schon – wer kam noch mit auf unseren kleinen Spaziergang? Der äußerst ungebetene Gast „Herr Uhthoff“. Ein Scheusal: er klebte sich an meine Fersen; er schubste mich zur Seite, so dass ich schwankte; er lief mir dann noch vor die Füße, damit ich stolpere und er hing mir Blei an die Arme und Beine. Doppeltes Blei! Laufen? Schier unmöglich! Meine beiden Männer schleppten mich mit  J Ich gebe ja nicht auf! J

Nicht genug, dass Uhthoff mir das Laufen so schwer machte, er bescherte mir, kaum angekommen auf dem zauberhaften Fest mit schönen Kleinkunst-Ständen und leckerem Kuchen noch eine Fatigue mit Übelkeit und Schwindel. Dann lief uns noch eine Frau mit ihrem Hund, der „bitte keine Hundekontakte haben soll“ über den Weg und mein armer Smiley war etwas fassungslos (ich auch) und noch dazu kam eine Bekannte auf uns zu und wollte schwatzen -bei mir wars AUS. Aus und vorbei. FERTIG! „Ich habe fertig!“: Ich konnte nicht mehr: nicht mehr stehen, nicht mehr reden, nicht mehr schauen – die Hitze übermannte mich und ich dachte, dass ich jeden Moment zusammenklappe. Ich zog meinen verdutzten Mann weiter und sagte nur noch schwach: „heim“. Als wir aus dem Getümmel heraus waren und uns Schatten suchten, konnte ich anschließend humpelnd irgendwie nach Hause laufen, aber es war Schwerstarbeit. Mein Körper war lahmgelegt, er war schwer, sodass ich dachte, ich würde im Asphalt einsinken und niemals mehr hinauskommen. Meine Seele fühlte sich gepeinigt an, denn der eigentlich so schön angedachte Spaziergang entpuppte sich als Höllengang. An weiteren Bekannten „rannten“ wir vorbei, völlig hilflos – heim! Keine Ahnung, was sie dachten!

Zuhause angekommen wurde mir bewusst, dass mir rein theoretisch ein Stück von meinem Schienbein/Knöchel fehlte. Ich schaute hin: es war da J Ich fasste es an: es war nicht da.
Ich konnte stehen, aber hatte das Gefühl zu schweben… umzukippen…
Natürlich war mein erster Weg Richtung Couch, im Kühlen… hinlegen…

Nun wurden auch noch die Arme taub, die ganze rechte Körperhälfte verabschiedete sich. YEAH! Herr Uhthoff hatte es wieder einmal geschafft und mich niedergeschmettert. Was ein Mist-Kerl, was ein fieser Geselle und abscheulicher Typ!

Stunden später spüre ich so langsam meine Gliedmaßen und kann wieder einen Zusammenhang zwischen Fuß und Bein erahnen.

Danke Uhthoff – den Ausflug hast Du mir kräftig versaut….

Mein süßer Smiley scheint ebenfalls Besuch von Uhthoff gehabt zu haben – er vegetiert im Schatten vor sich hin – allein mein Mann kann sich um uns kümmern und muss mal wieder hilflos, machtlos mit ansehen, welch eine Verwüstung solch ein Ungetüm wie Uthoff hinterlassen kann.

Ob ich heute noch irgendetwas mache??? NEIN! Liegen bleiben und hoffen, dass mein Fuß und mein Bein wieder zusammen „wachsen“!

Ich möchte nicht bedauert werden, aber mit diesem Text möchte ich aufzeigen, WIE es sein kann mit Uhthoff und was er mit uns macht!

Hallo MS; Hallo Tanz durchs Uhthoff-Leben; Hallo Wut und doch auch Hallo Leben! ©2016 Heike Führ/multiple-arts.com