Reizüberflutung

*REIZÜBERFLUTUNG

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Das sagt sich immer so leicht und ich benutze es oft, ist mir aufgefallen: „Ich hab `ne totale Reizüberflutung!“

Ein einfacher Satz, aber das was dahinter steckt, ist heftig.


Wenn ich diesen Satz sage, meine ich 2 Dinge:
einmal die Reizüberflutung, die „Jeder“ haben kann: wirklich einfach zu viele Reize (welcher Art auch immer) auf einmal, zu schnell hintereinander und zu häufig. Und dabei habe ich das Gefühl, dass ich sie nicht alle „abarbeiten“, verarbeiten oder gar aufnehmen kann. Sie sind da, sie sind auch aufdringlich und mein armes Gehirn ist überfordert.
Fazit: mir wird „alles“ zu viel, ich brauche Ruhe oder eine gute Ablenkung, die natürlich OHNE nervende Reize sein soll!

Das Zweite ist meine MS, speziell die Fatigue, gepaart mit der Reizüberflutung. Das Gefühl ist erst einmal, wie oben beschrieben, aber dann kommt die MS ins Spiel und es kommen immer (!) Sehstörungen und eine taube Gesichtshälfte dazu, oft auch andere bekannte MS-Symptome.

Laut Wikipedia ist „Reizüberflutung eine umgangssprachliche Metapher  für einen angenommenen Zustand des Körpers, in dem dieser durch dieSinne  so viele Reize gleichzeitig aufnimmt, dass sie nicht mehr verarbeitet werden können und beim Betroffenen zu einer psychischen Überforderung  führen.
Diese Überforderung des (menschlichen) Organismus bzw. Nervensystems  durch Sinneseindrücke betrifft die Sinne (Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und tasten) einzeln, in Kombination, für einen kurzen Zeitraum und auch langfristig.
Im Vordergrund der Untersuchungen zur Situation des Menschen in der modernen Welt stehen vor allem die akustische und visuelle  Wahrnehmung als Auslöser einer Reizüberflutung.“

Diese Beschreibung, die ich bewusst erst nach meinem Niederschreiben meines Empfindens gelesen habe, passt also haargenau auf den Zustand, den ich erlebe.

Und ich vermute einmal, da ja bei uns MS`lern das Nervensystem sowieso verrückt spielt, dass wir noch sensibler auf solche Reize regieren. Vielleicht gibt es sogar einen bestimmten Bereich im Gehirn, der passen würde. Das muss ich meinen Neurologen mal fragen beim nächsten Besuch.

Fakt ist, dass Reizüberflutung Stress auslöst und die MS ist ja nun alles andere als stresskompatibel!
Meine Form der MS, das wird mir immer deutlicher und klarer, hat wohl einen sehr niedrigen Stress-Level. Ich merke das immer wieder und merke auch, dass es mir nicht gefällt. Ich entschuldige mich auch oft in letzter Zeit damit, dass ich eine solche Reizüberflutung habe und einfach nur noch fertig bin. Das ist mir dann selbst irgendwann aufgefallen und somit wollte ich einmal recherchieren und lande gleich einen Volltreffer.

Ich muss mich also nicht wundern, wenn zu viele Reize über mich hereinbrechen, dass mein Nervensystem zu mucken anfängt. Die Reize gehen mir dann tatsächlich auf die Nerven.

Schon lange ist mir bewusst, dass mich große Menschenmengen überfordern, wenn ich keinen körperlichen Halt habe (z.B. in „Form“ des Armes meines Mannes).


Lärm, vor allem unrhythmischer Lärm, wie Kindergeschrei, machen mich manchmal so verrückt, dass ich wirklich eine kleine Auszeit brauche. Lärm in Form von Live-Musik macht mir dagegen gar nichts aus.


Unangenehme Gerüche verursachen mir nicht nur Übelkeit, sie können ebenfalls sämtliche MS-Symptome hervorholen.

Grelles Licht, Neonlampen, flackerndes Licht: eine Katastrophe. Und dies in Zusammenhang mit schnellen und schnell wechselnden Bewegungen, ist ganz fürchterlich und Sehstörungen sind vorprogrammiert.

Ich merke aber auch, dass mich die vielen Posts und Kontakte in Facebook mit zu vielen Reizen überfluten. Sicher kommt einmal hinzu, dass ich auf Grund der MS sowieso (bedingt durch meine Sehnerventzündung) manchmal Probleme habe, koordiniert zu lesen.

Mich ärgert das, denn ich bin gerne in FB, gerne in den Gruppen, aber es geht nicht mehr.
Es ist zu viel.
Wenn Reizüberflutung eine Überlastung von und mit Reizen ist, besonders in Kommunikationsprozessen, dann wundert es mich nicht, dass irrelevante Themen sowieso ausgefiltert werden, aber auch eine abnehmende Wahrnehmung stattfindet. Und das finde ich für mich schlimm, denn bis jetzt war ich immer diejenige, die nicht genug Informationen aus allen möglichen Quellen erhalten konnte. Nun überfordert es mein noch zusätzlich durch MS geprägtes Hirn also auf „ganzer Linie“!

Ich habe schon viel ausprobiert, um Abhilfe zu schaffen. Habe mir Zeit-Limits gesetzt, mehr Pausen verordnet, mich zwischendrin bewegt uvm.! Und das Ergebnis: es hilft mir nur, den PC/Laptop auszuschalten, keine Klingeltöne von ihm zu hören, die mich erinnern, dass gerade etwas los ist in der FB-Welt und mich auf mich zu besinnen. Aufs Zeichnen und Malen, aufs Lesen und Spaziergänge mit meinem Hund.


Manchmal habe ich das Gefühl, etwas zu verpassen und nicht mehr hinterher zu kommen mit den Kontakten, dem Liken und den Kommentaren. Aber wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, (und das haben alle MS`ler und chronisch Kranken mit der Zeit gelernt); dann weiß ich, dass wirklich nur AUSSCHALTEN und Rückzug hilft. Mein Hirn kann sich beruhigen, meine Nerven auch und ich tue dem Körper und Geist sogar noch etwas Gutes, in dem ich mich mehr auf
mich besinne.


Also kann es passieren, dass man mich nun nicht mehr ganz so häufig hier antrifft ;-)
Diese Einsicht ist nicht einfach gewesen, das gebe ich zu und auch ein holpriger Weg. Aber nun, da ich sie gewonnen, begriffen und wahrgenommen habe, weiß ich, es ist noch wichtiger für mich, mich in Ruhe und Frieden ab und zu zurück zu ziehen: Es ist einfach NOTWENDIG, neue Kräfte, Energien und Ideen zu sammeln und dann ab und zu mal einen kleinen Vorstoß wagen. Hallo MS, hallo Veränderungen, hallo LEBEN! ©2014 multiple-arts.com/Heike Führ

 

 

 

 

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2 thoughts on “*REIZÜBERFLUTUNG

  1. Judith Häfner

    Ich kenn das auch Kinder geschrei zurück ziehen und laute Musik in Ordnung Nein entstspannend
    aber jetzt habe ich neue Reizüberflutung
    Der Raum bewegt sich im Raum die Augen tun weh und Schwindel macht sich bemerkbar

    Reply
    1. multiplearts Post author

      Liebe Judith,
      das sind wirklich keine schönen Symptome. Ich wünsche dir viel Kraft und bitte nie die Zuversicht verlieren….
      glg, Heike

      Reply

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