Archiv für den Monat: Juli 2013

was machst du heute nichts 225x300 -

Dazu passt ein Zitat von   -unbekannt-

Der Nachteil am Nichtstun ist, dass man nie weiß, wann man fertig ist.“

 

Herrlich! Ich liebe das süße Nichtstun und ich kann es zelebrieren.

Ja, darin bin ich Meister 🙂

Sicherlich muss ich es mit Humor tragen, dass ich teilweise zum Nichtstun gezwungen werde. Nein, niemand „in persona“ zwingt mich dazu, aber meine MS übernimmt leider diese Aufgabe!

Ich kenne das süße Nichtstun noch von früher, als meine beiden Kinder klein waren. Es war wundervoll, wenn eine der beiden Großmütter sie beide zusammen für einen Nachmittag, oder ganzen Tag, eingesammelt hat. Am Anfang, das gebe ich zu, war es fremd und komisch, so plötzlich alleine zu sein, keine wirklich momentane Aufgabe zu haben. Aber ich habe mich ganz schnell daran gewöhnt und die Vorteile aus diesen Arrangements gezogen: die Kinder waren super glücklich über einen Oma-Tag, die Omas ebenso und ich hatte Zeit. Zeit für mich. Erst habe ich mich ertappt, dass ich das ganze Haus geputzt, Wäsche gebügelt und sonstiges erledigt  habe. Aber dann, ja dann kam die Einsicht: nichts tun! Einen Cappuccino trinken und nichts tun. In der Sonne liegen (damals ging das noch), oder auch im Winter mit einem leckeren Tee auf der Couch lümmeln, gemütlich, nur ich und die Zeit … Ein Hochgenuss.

Das waren früher seltene, sehr kostbare Momente.

Heute sind meine Kinder aus dem Haus, aber meine MS hat verstärkt Einzug gehalten.

Aber das Nichtstun habe ich nicht  verlernt. Früher war es ein Geschenk, heute ist es teilweise ein „MUSS“, weil es Zeiten gibt, wo „einfach nichts mehr geht“: wo Hinlegen Pflicht ist und Ausruhen angesagt ist.

Nicht immer kann ich diese Augenblicke als Präsent betrachten, da sie meist ungefragt und aufdringlich kommen. Wenn ich aber meine Wut und Verzweiflung über die Zwangspause verarbeitet habe, dann, ja dann genieße ich sie: die Süße des Nichtstuns 🙂 In vollem Umfang, in aller Breite und Tiefe. Und wenn ich mich so richtig in diesem Gefühl auslebe, weiß ich ehrlich nicht, wann ich fertig sein werde mit dem Nichtstun;-)

Es ist so schön, nichts zu tun …. Man kann sich daran gewöhnen …

Mal sehen, gestern habe ich es nicht geschafft zu Ende zu kommen 😉

©Heike Führ/www.multiple-arts.com

*ANGEHÖRIGE

2012

Ich bin der festen Überzeugung, dass zu wenig und zu selten an die direkten Angehörigen, Freunde und Verwandten der Betroffenen gedacht wird.

Im dem Sinne, dass man sie mal fragt, wie es ihnen geht: im Allgemeinen und in Bezug auf die Krankheit ihres Angehörigen.

Nehmen wir den Partner in einer Erwachsenenbeziehung: wenn er sich dafür entscheidet, bei dem Kranken, Behinderten mit all seinen Beeinträchtigungen  zu bleiben, dann ist auch sein Leben maßgeblich von den Umständen der Behinderung seiner PartnerIn betroffen. Nicht nur ein bisschen: nein, fast völlig!

Er hat seinen eigenen Beruf, das ist das „fast“, denn selbst während der Ausübung seiner Tätigkeit wird er sich Gedanken um dem Partner machen. Vielleicht kann er auch nicht selbstverständlich morgens aufstehen, da er dem Partner behilflich sein muss. Vielleicht hat er, bis er zu seiner Arbeit erscheint, schon seinen persönlichen Hilfs-Marathon laufen müssen und ist selbst schon erschöpft.

Und dann: nach Hause kommen: einkaufen? Praktische Hilfe? Haushalt? Kinder?

Definitiv anders als bei gesunden Partnern!

Wie schafft er die Doppel – und Dreifachbelastung? Körperlich, seelisch???

Wer hilft ihm?

Wer sieht es überhaupt und nimmt es wahr???

Oder die Mutter eines Betroffenen: meine Mutter fragte sich bei meiner Diagnosestellung: „warum meine Tochter?“ Und: „ich habe sie doch ein Jahr lang gestillt, hat das nicht geholfen?!“ (als Allheilmittel!)

Meine Mama ist heute 73 Jahre alt und sie kümmert sich mehr um mich, als umgekehrt. Bei uns hat bis jetzt der normale Rhythmus  des „Kinder helfen den Eltern“,  noch nie statt gefunden. Und wird er jemals stattfinden können? Das ist auch ein Aspekt: was passiert, wenn meine Mutter Hilfe braucht und ich sie ihr nicht in dem Ausmaß geben kann, wie sie sie bräuchte?

Und: wie fühlt eine Mutter, wenn ihr Kind unheilbar krank ist?

Ich bin selbst Mutter: ich würde meinen Kindern lieber solch eine Krankheit abnehmen, als sie ihnen zu „lassen“. Wenn ich könnte …

Ich würde mitleiden, ich würde trauern und unglaubliche Angst um sie haben.

Es tut mir so leid für meine Mutti: keiner kann etwas für diese Krankheit; sie ist einfach da! Aber ich bin als Tochter dankbar, dass sie mir die „Werkzeuge“ mit auf den Weg gab, die mir nun bei der Krankheitsbewältigung helfen. Das ist doch schon „die halbe Miete“!

Danke Mutti 🙂

Meine Kinder: ich bin selbst „Kind“  und weiß, wie man mit der Mutter mitleidet und Angst um sie hat, wenn sie einmal krank ist. Nur, ich bin nicht „mal“ krank: ich bin unheilbar krank mit ungewissem Ausgang. Das muss für meine Kinder schlimm sein. Ich hoffe nur, dass ich ihnen auch „Werkzeuge“ mitgegeben habe, um mit diesem Schicksal zurecht zu kommen und bin so dankbar, dass ich 2 gesunde tolle Kinder vor der Diagnosestellung zur Welt gebracht habe.

Mein Bruder mit Familie, meine echten Freunde: auf sie trifft das alles auch irgendwie zu. All Diejenigen, die mit mir in enger Verbindung stehen, leben auch ein Stück meine MS mit mir. Es ist ihr Schicksal, ebenso, wie meines.

Ich wünsche mir für alle meine Lieben, dass sie Jemanden ganz nah haben, der sie fragt: „Wie geht es Dir damit?“, der sie ernst nimmt in ihren Sorgen, der ihnen zuhört und keine „guten Ratschläge“ gibt; Jemanden, der einfach da ist!
Und vor allem sage ich hiermit DANKE an genau all diese Lieben: an meinen wundervollen Mann, meine Kinder, meine Mama, meinen Bruder und meine ebenfalls wundervollen guten Freunde, die mir alle auf ihre Weise  zur Seite stehen 🙂 Ohne Euch würde mein Leben bedeutend anders und trauriger aussehen … IHR macht es lebenswert !!!

©Heike Führ/www.multiple-arts.com