Archiv für den Monat: Februar 2015

* Meine MS-Diagnose wird heute 21 Jahre alt – kein Grund zum Gratulieren!

Liebe  Hallo MS,

Du stehst mir nun 21 Jahre treu zur Seite – heute wirst Du nach altem deutschem Recht volljährig.
Aber auch bevor Du volljährig warst, hast Du doch schon immer gemacht, was Du wolltest. Du bist von Deiner Kleinkind –und Trotzphase direkt übergegangen in die Pubertät und dort verweilst Du anscheinend immer noch.
Du benimmst Dich keineswegs erwachsen! Du benimmst Dich unreif, tollkühn, frech und dramatisch!

Du zwingst Dich auf – auch in sehr unpassenden Momenten – und vergreifst Dich wie manch Adoleszenter ganz oft völlig im „Ton“.

Du bist kein angenehmer Mitbewohner – Du machst Dich breit, bist faul und nur dann fleißig, wenn Du Schaden anrichten kannst.

Du hast mein Leben verändert; Du hast meine Familie schockiert, meine Freunde vor den Kopf geschlagen und meinen Kindern eine „kranke“ Mutter beschert. Du hast meinem Ehemann eine nicht voll „funktionstüchtige“ Frau „hinterlassen“ – so war das nicht ausgemacht!

Du hast meine Lebensqualität eingeschränkt, manchmal sogar erheblich und hast mich Emotionen spüren lassen, die ich nicht kannte. Verzweiflung, Wut und Erniedrigung sind so einige neue Facetten darin.

Ich weiß, dass Du mir auch neue Chancen und Möglichkeiten, sowie neue liebe Freunde gebracht hast – Menschen und Dinge, die ich ohne Dich nicht hätte kennen lernen können. Das möchte ich Dir zu Gute halten.

Aber Du hast mir, wie Jugendliche das so oft tun, ungefragt Gäste mitgebracht.

Noch dazu ungebetene Gäste: Frau Fatigue hasse ich am meisten von Deinen seltsamen Besuchern. Sie lähmt mich, macht ein Wrack aus mir, überfällt mich – ich werde sie anzeigen müssen, denn diese Überfälle sind lebenseingreifend und zerstören mein Innerstes.
Diese Frau Fatigue hängt mir noch dazu Blei an meine Gliedmaßen, lässt mich immer extrem erschöpft sein und nimmt mir alle Kraft!

Könnte ich sie erschießen, ich würde es tun, denn es wäre Notwehr. Aber diese Fatigue lässt sich nicht erlegen.

Der andere ungebetene Gast ist Herr Uthoff – ihn bringst Du vor allem im Sommer mit!
Ich sage Dir: er bekommt Hausverbot. Solch einen unmöglichen Gast hatte ich selten! Er legt mich ähnlich lahm wie Frau Fatigue und hinterlässt ein jämmerliches Häufchen Elend, wenn er endlich wieder geht. Wenn Du sie beide im Doppelpack mitbringst, bin ich so fertig, dass ich mich noch nicht einmal wehren kann.

Liebe MS, sich mit Dir anzufreunden fällt mir schwer, da Du so unberechenbar und unzuverlässig bist.

Freunde wertschätze ich anders; sie zeichnen sich durch Fürsorge und Liebe aus. Das fehlt DIR definitiv. Du bist zerstörerisch.
Also gratuliere ich Dir auch nicht, sondern nehme Deinen Geburtstag lediglich zur Kenntnis.

Vielleicht könntest DU MIR mal ein Versprechen geben? Halte Dich einfach ein wenig mehr zurück. Damit wäre mir schon viel geholfen. Arbeite an Dir und sei nicht immer so vorlaut und aufdringlich…!

Liebe  Mit freundlichen Grüßen,
Dein Körper

*Erwartungen an mich …! Und an meine Freunde?!?

 

Wie oft haben wir Erwartungen?! An uns , an Andere? Und wie oft sind wir enttäuscht – von uns und Anderen.
Das Wort Erwartung „spielt eine zentrale Rolle in der  Soziologie. Zum einen beschreibt es die Annahme eines Handelnden darüber, was ein anderer oder mehrere andere tun würden, bzw. was er oder andere billigerweise tun sollten. Wird eine Erwartung enttäuscht, dann wird sie meist geändert, in einigen wenigen Fällen aber auch aufrechterhalten.“ (*Wikipedia)

Erwartung ist also auch immer gekoppelt mit einem Gefühl und davon haben wir MS`ler ja nun wirklich genug.
Wut, Angst und Verzweiflung sind ebenso unsere Begleiter, wie Freude und Spaß. Oft müssen wir aufpassen, dass wir uns den Spaß nicht nehmen lassen.
Häufig sind wir enttäuscht. Enttäuscht von unserem Körper, an den wir andere Erwartungen hatten. Enttäuscht von Familie und/oder Freunden.

Man lernt ja immer dazu und deshalb kann man auch seine Erfahrungen nutzen, um eine bestimmte Erwartung zu bilden, oder uns auch gegen eine Erwartung zu entscheiden.

Der Spruch, man solle nichts erwarten, dann  könne man nicht enttäuscht werden, nimmt hier eine besondere Form an. Es gibt Zeiten, in denen mich solche Sprüche stören, aber es gibt ebensolche Zeiten, in denen sie Sinn machen und mir weiter helfen. Auf den ersten Blick ist der Spruch negativ behaftet, fast als entstamme er einer Frustration. Und doch ist er eine Lebensweisheit, wenn man ihn sinnvoll und geplant einsetzt.

Wir alle haben es schon erlebt, dass wir auf eine Feier keine Lust hatten – also auch ohne Erwartung dorthin gegangen sind, und dann positiv überrascht wurden. Den umgekehrten Fall kennen wir auch, dann wurden wir von einem Ereignis sehr enttäuscht, weil unsere „Erwartung zu hoch war“! Mit einer Enttäuschung muss man aber umgehen können. Das ist gar nicht so einfach.
Bei meinen Recherchen stoße ich immer und immer wieder auf die Erwartung, die wir MS-Betroffene haben, dass uns unser Gegenüber VERSTEHT.
Ich denke, dies ist eine absolut normale Erwartungshaltung, die ihre Berechtigung hat. Und doch, wenn man genauer hinschaut: wie soll uns und unsere oft nicht sichtbaren Symptome jemand verstehen, der sie nicht sehen/ wahrnehmen kann? Feinfühligen und empathischen Menschen wird dies seltener passieren, da sie einen besonderen Blick haben. Für uns und unsere Symptome, unsere Gefühlslage usw.! Aber selbst hier erleben wir Grenzen.

Für mich gehört zu einer Erwartung auch immer der realistische Blick von MIR auf das Ereignis, die Situation, dazu: Erwarte ich zu viel?

Im Umgang mit MS und unserem Gegenüber in diesem Umgang mit der MS, ist es manchmal fast unmöglich, dass er spürt, wie es uns geht. Das Sichtbare ist offensichtlich. Aber eine im Rollstuhl Sitzenden kann es trotz offensichtlichem Handicap gerade sehr gut gehen. Er braucht und möchte kein Mitleid, oder Mitgefühl. Ein offensichtlich „Unversehrter“ kann gerade dermaßen schlimme Schmerzen haben, dass er sich kaum „auf den Beinen halten“ kann, lässt es sich aber nicht anmerken und wirkt deshalb „normal“!

Meine Erwartung an mir wirklich sehr Nahestehende ist allerdings, dass sie meine Gesamtsituation mit der MS einschätzen lernen MÖCHTEN, dass sie gewillt sind, sich zu bemühen und mich als Gesamt-Paket zu betrachten.

Dass man mir z.B. einen Sitzplatz anbietet, weil man weiß, dass ich nicht lange stehen kann. Dass man mir mal ein Gepäckstück abnimmt, wenn ich mich sowieso schon die Treppe hinauf „schaffen“ muss. Dass man mir vom Buffet mal schnell was mitbringt – ohne großes Aufsehen.

Und vor allem, dass man MIR GLAUBT, wenn ich äußere, dass ich gerade mit einem Symptom kämpfe, gerade keine Kraft habe oder extrem erschöpft bin; dass ich heute nicht weit laufen kann (morgen vielleicht wieder); dass mir Manches einfach zu viel ist, weil es mich überfordert. DAS erwarte ich von meinem engsten Umfeld und bin bitter enttäuscht, wenn ich etwas anderes erleben muss.

Und doch weiß ich auch aus Erfahrung und vielen guten Gesprächen mit Freunden, dass sie es – glücklicher Weise –  auch einfach mal vergessen, dass ich einen Stuhl in meiner Nähe brauche, da ich – auch glücklicher Weise – so fröhlich und stabil wirke. Sie sind auch nur Menschen, die immerhin auch ein eigenes Leben mit Höhen und Tiefen führen.

Ich kann auch von Kollegen nicht erwarten, wenn ich zur Arbeit erscheine…, dass sie Rücksicht nehmen, weil ich „eigentlich“ doch zu schwach bin. Denn ich bin dort und somit haben sie das Recht,  mich als vollwertigen Mitarbeiter zu betrachten. Oder ich müsste wieder nach Hause gehen.
ABER: auch das habe ich festgestellt: hier und in allen anderen Situationen hilft es IMMER, wenn man sich MITTEILT, wenn man erklärt, dass man zwar anwesend ist, aber heute (!) nur auf Sparflamme laufen kann.
Oder dass ich bei einer Party zwar anwesend, aber nicht voll „einsetzbar“ bin und man mich deshalb auch nicht zum hundertsten Mal zum Tanzen auffordern muss, weil ich schon beim ersten Mal NEIN gesagt habe – weil ich es nicht mehr kann!

Erwartungen zu haben ist ja für unser gesamtes Leben auch wichtig und der Motor, um es zu beflügeln. Habe ich keine Erwartungen mehr, habe ich auch kaum noch Perspektive.
Habe ich aber Erwartungen, habe ich auch eine Motivation und diese kann bekanntlich Wunder wirken.

Ob man seine Erwartungen zu hoch gestellt hat, merkt man dann, wenn sie erfüllt, oder nicht erfüllt wird und im besten Fall lernt man daraus, speichert die Erfahrungen und Informationen und setzt sie beim nächsten Mal sinnvoll ein.
Ohne jegliche Erwartung zu sein, stelle ich mir traurig, leer und stumpf vor. Aber es gilt sicher, dass wir die Gratwanderung lernen zwischen einer Erfolg bringenden und einer unsinnigen Erwartung.

Ich erwarte mittlerweile wirklich nicht mehr viel … aber immer wieder und auch mit Freude.
Aber eine Erwartung, die ist mir heilig – und sie hat mich Freundschaften gekostet: ich werde sicher nie aufhören, gewisse Erwartungen an meine mir wirklich Nahestehenden zu haben. Denn ich gehe davon aus, dass sie eine normale Intelligenz besitzen, dass ich sie oft und klar genug über meinen Zustand, über MEINE Form der MS, aufgeklärt habe und dass sie mir vertrauen und GLAUBEN können. Wer dies nicht tut, der missbraucht meine Aufrichtigkeit, mein Vertrauen und somit meine Freundschaft. Dafür bin ich mir zu viel WERT und das möchte ich in meinem Leben nicht mehr aushalten müssen.
Freunde dürfen sich nur noch die Menschen nennen, bei denen ich aufrichtiges Interesse verspüre und zwar an mir als Mensch (!) und an meiner MS-Situation, denn mich gibt es nur in dem (Gesamt-) Paket.
Wer sich nicht nach mir erkundigt, und sei es, dass er selbst zu viel um die Ohren hat, wer nicht ein aufrichtiges Interesse zeigt und nicht VERSUCHT, zu verstehen, der hat in meinem Leben keinen Platz mehr. Vielleicht noch in meinem Herzen, denn ich werfe niemandem Böswilligkeit vor – aber in meinem kostbaren Leben, das ich so sehr einteilen muss, so viel Energiemanagement betreiben muss – dieses Leben kann ich nicht vergeuden.
Meine Erwartung ist deshalb ganz klar: in diesem Bereich meines Lebens möchte ich eine gewisse Erwartung stellen dürfen – das ist mein Recht!

So, wie es das Recht der Anderen ist, kein Interesse an meinem Leben zu haben – aber dann passen wir nicht zusammen!!!

Dass die Erwartung an meinen Körper, die MS würde sich von dannen trollen, zu hoch ist, ist klar. Sie habe ich schon lange nicht mehr, weil mich auch das zu viel Kraft kosten würde. Ich habe mich arrangiert. Aber dass man mich ernst nimmt, respektiert und toleriert, das ERWARTE ich!

Hallo MS, hallo Leben und hallo Erwartung! Copyright Heike Führ/multiple-arts.com

*VERPASSTE GELEGENHEITEN

 

Zu diesem Thema gibt es viele Sprüche und weise Worte und ich merke, dass sie irgendwie immer haften bleiben.

Ich habe mir VOR der Diagnose meiner MS nie Gedanken darum gemacht, weil ich ein sehr ausgefülltes, zufriedenes und glückliches Leben hatte. Auch in der ersten Zeit MIT MS war dies alles noch kein Thema.
Es hielt erst Einzug, als meine Fatigue so heftig wurde und sich auch körperlich auswirkte und ich – selbst ohne Fatigue – körperlich nicht mehr so belastbar bin.

Langes Stehen, Laufen oder gar nur 2 Minuten Tanzen  sind schon rekordverdächtig.
Und jede ÜBER-Anstrengung  rächt sich am nächsten Tag und mit viel Pech auch noch eine ganze Woche lang.

So betrachtet macht dieser Spruch wieder anders Sinn.

Und ich reflektiere mein Leben.

Auf bessere Gelegenheiten warte ich wohl nicht. Das ist sowieso relativ und müßig. Aber manchmal, so tief in meinem Herzen, warte ich auf „bessere Zeiten“!

Warte auf eine Zeit, in der ich eine Party OHNE Fatigue, ohne körperliche Grenzen und ohne Folgen genießen kann. So ausgelassen wie früher.
Und ich merke, dass ich mittlerweile schon deutlich mehr auswähle, welche Gelegenheiten ich mir nicht entgehen lasse. Ich plane nämlich.
Da mein Energiemanagement stark genug sein muss, um eine Feier am Abend heil zu überstehen, muss ich mich schon im Vorfeld danach richten. Ich organisiere alles um dieses Event herum.

In diesem Moment wird mir bewusst, dass ich sehr wohl auf eine „Gelegenheit“ warte… Ich warte auf den richtigen Moment, eine solche Gelegenheit wahrzunehmen.

Ich habe diesen Ablauf so in mein Leben integriert, dass es mir manchmal gar nicht mehr auffällt und das ist prinzipiell auch gut so – das heiß nämlich, ich mich habe im psychologischen Sinne „angepasst“, was ein großer und guter Schritt nach vorne ist.

Aber es gibt auch Augenblicke und Zeiten, in denen mir das VERPASSEN der gewünschten Gelegenheiten bewusst wird.

Fastnacht in Mainz ist so ein Thema. Noch vor 10 Jahren war ich ab dem Altweiber-Donnerstag ununterbrochen unterwegs und sogar noch donnerstags und freitags arbeiten. Das war alles kein Problem. Ich hatte die WAHL, ob ich an Veranstaltungen teilnehmen kann oder nicht. Das ist der Unterschied zu heute: ich habe keine Wahl mehr, weil ich es schlicht und ergreifend kaum schaffen würde, nur einen lauten chaotischen, vollen und wuseligen Tag auf der Straßenfastnacht und im „Ballsaal“ zu verbringen.

Vorbei sind für mich das närrische Treiben und die energetische Stimmung während dieser Tage.

Ich vermisse nicht so sehr Fastnacht und das Treiben – das hatte wohl seine Zeit bei mir… Aber ich vermisse es, die WAHL zu haben, eine GELEGENHEIT wahrnehmen zu können.

Aber ich warte nicht – nein. Ich fülle mein Leben nun anders. Und es ist glücklich und zufrieden gefüllt. Anders halt.

Hallo MS, HELAU MS und Hallo Gelegenheiten! ©2015 Heike Führ/multiple-arts.com

*Eben noch im Rollstuhl – plötzlich läuft sie! Wie geht das? Ein MySterium!

 

 

Es geht. Mit MS. Manchmal.

Auf Flugreisen muss ich ja den Rollstuhlservice in Anspruch nehmen und beobachte immer amüsiert, wie sich andere Fluggäste wundern, wenn ich mich plötzlich, einer Wunderheilung gleich, aus dem Rollstuhl erhebe.
Diese Gesichtsausdrücke sind unbezahlbar und auch gleich ein Sinnbild dessen, was wir täglich mit unserer MS erleben.
Und nicht nur wir erleben das so, sondern alle Menschen, die mit uns leben oder in einer Beziehung mit uns stehen – Angehörige, Freunde, Kollegen, Nachbarn…

Mir wird von nahestehenden Personen ganz oft gesagt, dass sie meinen Wandel nicht begreifen und deshalb auch nicht einschätzen können. Eben schrieb ich noch, dass ich mit heftigem Schwindel darnieder liege, oder mich eine Fatigue ausgehebelt hat und im „nächsten Moment“ veröffentliche ich Texte, oder gehe spazieren…

Von außen betrachtet, ist das wirklich unvorstellbar und manch einem nicht so Wohlgesonnenen drängt sich sicherlich auch mal der Gedanke an das „Simulieren“ auf.
Und ganz ehrlich: ich verstehe es selbst ja nicht einmal. Ich erlebe es fast täglich, manchmal auch mehrmals täglich, aber ich begreife es nicht.

MS. Ja, mit MS ist das so: das liest man überall, mein Neurologe bestätigt mir das und von Mitbetroffenen hört man es ebenfalls.

Ein MySterium – ein Sonderfall, nicht einschätzbar, nicht kalkulierbar und nur schwer begreifbar.

Aber es IST einfach so, dass bei MS so VIELES möglich ist. So, wie MS tausend Gesicherter und Fratzen hat, so verläuft sie bei jedem Betroffenen unterschiedlich und so äußert sie sich auch bei jedem individuell verschieden und das alles an einem einzigen Tag.

Manchmal wache ich morgens völlig erschlagen auf und befürchte, dass mein Tag „im Eimer“ sei und plötzlich, wie wenn jemand einen Schalter umdreht, geht es mir so viel besser, dass ich sogar Energie habe, von der ich vor wenigen Minuten nur geträumt habe.
Umgekehrt ist das leider genauso der Fall. Von „gut drauf“ sein zu einem Häufchen Elend vegetierend.
Alles ist möglich, alles ist sehr unkalkulierbar und für uns selbst auch schwer einschätzbar.

Man kann sich niemals auf einen momentanen Zustand verlassen.

Das macht es schwierig und oft auch schmerzhaft.

Und wie oft komme ich mir wie ein Schwindler oder Hochstapler vor, wenn ich einer nicht betroffenen Freundin z.B. 3 mal am Tag eine Mail schreibe und sie sich jedes Mal wieder auf einen neuen Zustand einstellen muss.

Ich bewundere all diese Menschen, die es schaffen, sich unseren Zuständen wertfrei anzupassen, die sich zwar manchmal sicher sehr wundern, es aber einfach HIN NEHMEN.

Das Gegenteil erleben wir natürlich auch und das macht es wieder sehr schwierig für uns, weil wir uns  dann noch zusätzlich erklären müssen. Noch dazu müssen wir ein Phänomen erklären, das wir selbst nicht begreifen und dessen wir uns manchmal auch schämen… Weil wir uns selbst nicht wieder erkennen und uns fremd sind…  Hallo MS, hallo „Reine Nervensache“! ©2015 Heike Führ/multiple-arts.com

*BIS ans LIMIT – gehe ich manchmal zu weit?

Es ist für mich so schwer, mich an GUTEN Tagen zu beschränken. Und zwar in der Hinsicht, dass ich es dann nicht „übertreiben“ darf.
Jeder chronisch Kranke kennt es: wir werden von Symptomen, Schmerzen oder Beeinträchtigungen ausgebremst. Und zwar manchmal massiv. Dies zu verarbeiten und anzunehmen ist eine Aufgabe, die nicht einfach ist und oft holen wir uns dafür auch professionelle Hilfe, wie Psychotherapeuten.

Seine eigenen Grenzen immer wieder auszuloten, ist ebenfalls nicht einfach.

So lange mich meine Fatigue massiv ausbremst, laufe ich gar nicht Gefahr, mich zu überanstrengen, weil es einfach NICHT GEHT!

Wer im Rollstuhl sitzt, wird sich auch niemals einen Lauf-Marathon vornehmen. Wer nicht gut sehen kann, wird sich kein Buch in winziger Schrift kaufen.
Das sind die Grenzen, die wir kennen und auf die wir uns – mehr oder weniger gut – einstellen. Das sind Tatsachen.

Wie aber ist es in der Grauzone?

Wenn z.B. die Fatigue mal ausnahmsweise Pause macht?
Wenn die Beine heute etwas stabiler sind und man es sich zutrauen kann, in der Wohnung umherzulaufen?

Dann sind wir wie ein Kleinkind, das neu ausprobiert, staksend und torkelig umherwandert und sich über jeden Schritt freut, auch über jedes Erlebnis, das man ohne Fatigue geschafft hat und man ist  ganz „hin und weg“.
Der Unterschied ist jener, dass sich ein Kleinkind erstens keine Gedanken um ein „MORGEN“ macht und zum Zweiten, Gesundheit vorausgesetzt,  keine körperlichen Rückschläge erleiden muss, wenn es  vielleicht einen Schritt zu viel gemacht hat.

GRENZEN und Limits bedeuten das „maximal Erreichbare“.

Und der Satz „bis ans Limit gehen“ erklärt „etwas auf extreme Art und Weise auszutesten“.

Umgangssprachlich würde man vielleicht auch sagen: „er/sie hat es übertrieben!“.
Was reizt uns also so, unsere Grenzen auszuprobieren, und auszureizen?

Wir MS`ler sind ja täglich mit unseren körperlichen und oft auch geistigen Grenzen konfrontiert.
Mir geht es dann so, dass ich an guten Tagen gerne wieder an meinem alten „ICH“ andocken möchte. Ich möchte wieder SPÜREN, ERLEBEN, wie es einmal war… Das geht natürlich nie ganz und vollkommen, aber ansatzweise.
Und ich habe mich beobachtet: an den sogenannten guten Tagen, ohne Fatigue und mit nicht-schweren Beinen – da möchte ich toben, da möchte ich LEBEN und agil sein.

Agil und LEBENDIG!

Das war mein altes „ICH“ immer. Agil, lebendig und handlungsfähig. Und genau das ist mir abhanden gekommen. Es wurde mir von meiner MS genommen.
Wen wundert es, wenn ich es mir zurückholen möchte?

Aber dieses Zurückholen ist limitiert. Und zwar deutlich. Auch, wenn ich es nicht wahrhaben möchte.

Ich kann für Sekunden, oder auch Minuten und wenige Stunden vielleicht, ganz zart erahnen, wie es mir in besseren gesundheitlichen Tagen einmal ging. An meinen guten Tagen docke ich dort an, spüre dieses wundervolle Gefühl der Leichtigkeit, des Vollkommenseins, der wilden ursprünglichen Freude.

Wenn diese Limits nicht wären – die mir dann doch sehr schnell meine ureigenen GRENZEN wieder aufzeigen. Manchmal zart, so als Warnsignal, manchmal auch mit Wucht!
Mit üblen Symptomen und einer niederschmetternden Fatigue.
Ende des Ausflugs in die Sorglosigkeit, Ende des Ausflugs in die kleine Grenzenlosigkeit. Ende mit den Glücksgefühlen. Hallo MS!

ABER: Dankbarkeit, diese Momente erlebt zu haben, Dankbarkeit, sie genießen zu KÖNNEN und wieder einmal einen Blick auf mein altes ICH erhascht zu haben. Dankbarkeit, den Kontakt zu meinem alten Ich nicht verloren zu haben. Es ist noch da, wenn man es sucht. Es lässt sich nämlich ebenso wenig unterkriegen, wie sich mein Körper von der MS bestimmen lässt!
Also auf ins Abenteuer der Grenzenlosigkeit und des Getragenwerdens von Glücksmomenten. ©2015 Heike Führ/multiple-arts.com

* Mein Körper ist wie ein Trödelmarkt … Und die Mitmenschen ebenfalls… ;-)

Mein Körper ist wie ein Trödelmarkt …

Und die Mitmenschen ebenfalls…

Multiple Sklerose

 

1676611 der eingang zur antiken und junk geschaft das offen ist f r die wirtschaft - * Mein Körper ist wie ein Trödelmarkt … Und die Mitmenschen ebenfalls… ;-)

Wenn man meinen maroden MS-Körper so betrachtet, dann hat er was von einem Trödelmarkt. Und wie oft habe ich schon Kleinanzeigen aufgegeben: „MS günstig abzugeben!“, ich hätte sie auch zu Schleuderpreisen vermacht oder gar verschenkt – Hauptsache weg!

Mein MS-Körper ist wie ein Trödelmarkt

Meine MS ist groß, bunt und chaotisch wie ein Trödelmarkt. Sie ist auch schon älteren Datums, keiner braucht sie mehr, also biete ich sie mal an.

Manche Leute stehen ja auf Altes, auf Bewährtes (und DAS ist die MS: es ist IMMER Verlass auf sie – sie lässt niemandem im Stich!) und auf Trödel. Da bin ich doch mit meiner MS genau richtig.
Ich würde so tun, als ob ich feilsche, wenn jemand Interesse hätte. Insgeheim würde ich aber aufpassen, nicht den kniffligen Punkt des „Kippens“ einer Verhandlung zu verpassen, um sie dann nämlich schnell abzugeben.

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Hypochonder und andere Gestalten

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die gerne eine MS nehmen würden. Es sind erstens  Menschen, die meinen, sie wüssten sowieso alles besser und die „MS ist schon nicht so schlimm! Stell Dich nicht so an!“ und es gibt die Hypochonder, die sich einbilden, sie hätten eine schwere Krankheit, wie z.B. MS und sie wären dankbar, diese Diagnose zu haben. Letztere meinen das aber auch nur, denn was sie in Wirklichkeit brauchen, ist Aufmerksamkeit. Beachtung brauchen sie und wenn sie sie durch eine unheilbare „Erkrankung“ bekommen können, sind sie froh.
Aber eines weiß ich sicher: würden diese Hypochonder diese unberechenbare Krankheit wirklich haben, würden sie sie noch schneller abgeben wollen als unsereins.

Es gibt noch eine dritte Sorte: das sind die, die wirklich und tatsächlich jahrelang mit Symptomen zu kämpfen haben, nie ernst genommen und als Simulanten beschuldigt werden – und dann schließlich nach jahrelangem Suchen endlich eine Diagnose (und somit evtl. auch eine Behandlungsmöglichkeit) bekommen. Diese Menschen sind froh über eine endlich gestellte Diagnose, die sie nicht mehr als Simulanten denunziert, aber wirklich gerne haben sie die MS auch nicht.

MS zu verkaufen

Also bieten wir alle gemeinsam – die echten Betroffenen, die Hypochonder und die frisch Diagnostizierten – die MS auf dem Trödelmarkt an.

Mal sehen, wer vorbei schaut, überhaupt stehen bleibt und einen Blick auf unser Angebot wirft.

Denn, nun kommen die, die suchen, die Käufer und auch hier gibt es verschiedene Menschen:

–   die Neugierigen, die alles aufsaugen und wissen wollen, ohne sich je wirklich zu informieren – Hauptsache, man war dabei.

– Die Hypochonder treffen wir auch wieder, denn sie suchen ja nach einer wirkungsvollen Erkrankung.

– Die Desinteressierten sehen wir ebenfalls, wie auch die Ängstlichen, die sich mit keiner Erkrankung nur ansatzweise auseinander setzen wollen.

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Empathische Menschen sind gut für uns

Dann gibt es noch die Gleichgültigen, die Coolen und eine ganz besondere Art: die Interessierten.
Diese bleiben stehen, diese informieren sich gründlich und zeigen Mitgefühl. Mit viel Glück bieten uns diese wundervollen Menschen an, uns die MS mal für ein paar Tage oder Stunden abnehmen zu wollen – einfach nur, um uns von der Last zu befreien.

Diesen Menschen blicken wir mit Tränen der Rührung in den Augen an, wir verbinden uns mit ihnen und –  wir sind ehrlich und bieten sie dieser empathischen Gattung Mensch nicht an. Denn das wollen WIR ihnen nicht antun! Dazu sind wir selbst zu mitfühlend, zu gebeutelt.

Bei einem Hypochonder würden wir sicherlich mal ein Auge zudrücken und sie ihm überlassen. Er würde sie sowieso nur gegen einen möglichen „Umtausch“ oder gegen Rückgabe-Garantie an sich nehmen. Die MS hätten wir von diesen Leuten sowieso gleich wieder, da sie es nicht einen Tag in den „Schuhen der MS“ schaffen würden. Das haben sie sich doch ganz anders vorgestellt!

Also, wie so oft bei einem Trödelmarkt, bleiben wir wohl auf unserer MS sitzen und bauen uns ergeben ein Leben um sie herum und mit ihr  auf… Nicht gerne, wirklich nicht, aber wir haben keine andere Wahl.

Und wieder einmal haben wir unsere Mitmenschen und deren ehrliches Entgegenkommen gespürt und erfahren. Ein Trödelmarkt ist nicht nur ein Markt der Fund-Stücke, sondern auch ein Markt der unterschiedlichen Menschen und der unterschiedlichen Reaktionen auf unsere MS! Hoch interessant! Hallo MS, hallo Miteinander und Hallo Mitgefühl. ©2015 Heike Führ/multiple-arts.com

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